Günter Wand (1912-2002) war fast achtundzwanzig Jahre ununterbrochen Gürzenich-Kapellmeister in Köln, dem breiten Publikum fast gar nicht bekannt, und gelangte erst in seinen späten Lebensjahren zu internationalem Ruhm.
Das völlig zu Recht: seine Zyklen der Symphonien Beethovens, Brahms', Schuberts und Bruckners, die er für HARMONIA MUNDI seit der Mitte der 1970er Jahre, teils mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, teils mit dem Symphonie-Orchester des NDR, erstellte, wurden zu Klassikern und können noch heute im Vergleich zu anderen, z.T. berühmteren Aufnahmen, mühelos bestehen.
So auch sein erster Bruckner-Zyklus, der nach meinem Ermessen in keiner guten Symphonien-Sammlung fehlen sollte. Das Kölner Orchester ist in allen Positionen bestens besetzt, und Wand erweist sich als Bruckner-Exeget von hohen Graden. Seine "Fünfte", mit der er seine Gesamtaufnahme eröffnete, wurde gleich nach ihrem ersten Erscheinen mit dem "Deutschen Schallplattenpreis" ausgezeichnet, und die nachfolgenden Veröffentlichungen ernteten ebenfalls hohes Lob bei Fachkritik und Publikum.
Wand geht, im Gegensatz zur orthodoxen Bruckner-Auffassung so berühmter Dirigenten wie Furtwängler, Jochum und Knappertsbusch, mit zügigen Tempi, vor allem in den Ecksätzen, an die Werke heran, ohne aber Deutlichkeit im Detail vermissen zu lassen. Ihm kommt es auf einen warmen Gesamtklang an, der in organischen Fluss eingebettet ist. Die kantablen, melodischen Seitenthemen werden nicht genüsslich ausgewalzt, sondern ganz unauffällig und undramatisch in den symphonischen Ablauf integriert. Wands Bruckner-Darlegungen sind in sich "stimmig", die Tempomodifikationen so geschmeidig gehandhabt, dass sie vom Hörer kaum bemerkt werden. Für mich ist es, trotz Jochum, Karajan oder gar Masur, die nach wie vor empfehlenswerteste Gesamteinspielung dieses monumentalen Werk-Zyklus, den uns die Tonträgerindustrie zu bieten hat.
Der Klang der über dreißig Jahre alten Aufnahmen ist hervorragend durchsichtig und rauscharm. Leider fehlt jegliche Textinformation, was wohl mit dem günstigen Preis zu tun hat. Trotzdem für jede ernsthafte Bruckner-Diskographie ein Muß!