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Was paßt mir nun an dieser Fünften nicht? - Leider mehreres:
Erstens sind die Berliner Philharmoniker - wohl durch die "Arbeit" von Karajan, Abbado oder anderen - inzwischen längst nicht mehr die Idealinterpreten für Bruckner wie etwa noch zu Jochums Zeiten (der ja auch einige Symphonien der ersten Gesamteinspielung mit "seinem" BR und die zweite Gesamtaufnahme mit der Dresdner Staatskapelle aufgenommmen hat). Es passieren zu viele Kleinigkeiten und es fehlt einiges an Wärme und Fülle bei den mittleren und tiefen Streichern.
Zweitens macht die Aufnahme einen sehr dumpfen und irgendwie fremden - viel zu weit entfernten - Eindruck, besonders im Vergleich zu der Sechsten mit dem NDR. Ein ähnlich schwammiges Hörerlebnis mit den Berlinern hatte ich bei einigen neuen Brahms- und Schubert-Aufnahmen mit Abbado; möglicherweise trägt hier der Saal oder auch die lokale Tontechnik eine Mitschuld.
Zum Dritten gibt es leider auch mit der Interpretation ein paar Probleme: Diese von der Verwendung des Kontrapunktes und der harmonischen Tiefgründe sicher heikelste und komplizierteste Symphonie Bruckners erschließt sich aus verschiedenen Gründen in dieser Aufnahme nicht vollständig. Gleich zu Beginn wie auch im Verlauf fast des ganzen Kopfsatzes verströmen die Baß-Pizzicati nicht die nötige Ruhe und die in ihnen verwobenen Linien kommen zu wenig plastisch heraus. Die Seitenthemen sind sicherlich herrlich ausgesungen, oft gehen dabei aber im breiten Wohlklang die vielen subtilen kontrapunktischen Neben-Andeutungen verloren. Ähnliches gilt für den - mir insgesamt fast zu ruhig genommenen - langsamen Satz, wo es Wand nicht immer gelingt, die enorm weiten Melodiebögen unter Spannung zu halten. Das Scherzo schließlich tanzt mir etwas zu beiläufig vorüber, ist für seine musikalischen Inhalt zu brav, zu wenig gegen den Strich gebürstet.
Gottlob entschädigt das Finale für vieles: Fast wie wenn es komplett an einem anderen Tag mitgeschnitten worden wäre, bietet es so vieles, was die ersten drei Sätze vermissen ließen. Etwa die Tremmolo-"Stimmung", die Dosierung der Ausbrüche und selbst die vorher teils enttäuschend geringe Amplitude der langen Crescendi sind im vierten Satz plötzlich annähernd ideal getroffen!
Kleines Facit für andere Fans:
Bessere CDs der Fünften Bruckner sind:
- Eugen Jochum (Concertchebow Amsterdam - Liveaufnahme aus der Basilika Ottobeuren - Philips) und
- Celibidache (München - Emi)
Meine bestem Life-Erlebnisse waren:
- Wolfgang Sawallisch mit dem Bayerischen Staatsorchester
- Herbert Blomstedt in San Francisco und mit dem Gewandthausorchester bei den Bregenzer Festspielen
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