Lieber Anton, nun habe ich Deine Vierte so gehört, wie Du sie ursprünglich geschrieben hast; und Frau Young leistet mit den Hamburger Philharmonikern Bemerkenswertes. Wenn Du von oben live dabei gewesen sein solltest, bist Du hoffentlich so zufrieden, so begeistert wie ich es bin. Ich bin Dir gegenüber im Vorteil und kann mir Dein Meisterwerk immer wieder anhören (oder solltest Du diese technischen Möglichkeiten mittlerweile auch haben ?). Dadurch wird mir immer mehr klar, was Du sagen wolltest. Diese Radikalität, die mindestens 50 Jahre in die Zukunft weist, habe ich Dir gar nicht zugetraut. Warum nur hast Du auf diese Freunde (?) gehört und hast Du Deine Vierte im Laufe der Jahre so viel umgearbeitet und damit geglättet. Sicher, das, was wir im Konzertsaal in den letzten Jahren "aus letzter Hand" hören durften, ist ein Meilenstein der Symphonik. Aber erst jetzt wird mir klar, was für ein Radikaler Du doch bist, und das meine ich mit ganzer Liebe. So schnell gingen 70 Minuten noch nie vorbei. Ich zittere immer noch am ganzen Körper. Deine Ideenflut, die Du hier in Töne umgesetzt hast, stellt Dich nochmal auf eine höhere Stufe. Nun ist es an der Zeit, dass Deine erste Version der Vierten sich genauso durchsetzt wie die, die wir kennen und lieben gelernt haben. Sag' Frau Young, sie soll auf Ihrem Weg unbeirrt weitergehen. Sie kann das umsetzen, was Du sagen wolltest. Ihr Verständnis für Deine Musik, Ihre Tempi und Einsätze sind eine Bereicherung für alle Deine Freunde im Geiste.