VORWORT:
Er hat nur vier (!) Filme vollendet, der fünfte - "The Game of Death", wurde leider nie fertig gestellt. Wie gut dieser wohl geworden wäre, sieht man während des gut 30-Minütigen Pagodenkampfes, der Hauptbestandteil der Doku "Der Weg eines Kämpfers" ist. Ich persönlich habe mir die verstümmelte Fassung mit einem Lee-Double nie angeschaut, da reichten mir bereits die peinlichen Ausschnitte. Würde ich danach gefragt, welchen "echten" Bruce Lee-Film ich für seinen besten halte, so schwanke ich zwischen "Fist of Fury" und "Way of the Dragon" - dem hier beschriebenen Werk. Es ist der einzige Film, bei dem der "kleine Drache" selbst Regie geführt hat und das merkt man auch...
FILM:
Die Geschichte eines Mannes, der in eine fremde Kultur kommt und mit anderen Sitten und Gebräuchen konfrontiert wird. Letztlich soll er der Nichte eines Bekannten aus Hongkong helfen, die in Rom ein China-Restaurant führt und von einer kriminellen Bande bedroht wird. Anfangs sehen wir einen eher unscheinbaren Mann, der freundlich und lächelnd durch die italienische Hauptstadt läuft. "Wie wollen Sie mir denn helfen?", fragt die junge Chinesen, kurz nach seiner Ankunft. Ab diesem Zeitpunkt dauert es noch eine ganze Weile, bis Tang Long sich beweisen wird...
Dieser Film unterscheidet sich doch im besonderen von den anderen Lee-Filmen, da die Hauptperson dem Kämpfen eher negativ eingestellt ist, und nur im absoluten Notfall Hand anlegt.
(ACHTUNG SPOILER!) Selbst nach dem berühmten Endkampf im Kolosseum betet er nachdenklich um den, von ihm getöteten Colt (Chuck Norris). Die teilweise kindisch, wirkenden Chinesen, denen er nach einiger Zeit Kung Fu beibringt, scheinen, zumindest anfangs nur an kämpfen zu denken, und ihre mangelnden Fähigkeiten ständig unter Beweis stellen zu müssen. Schließlich scheinen sie jedoch durch Tang Long auf den rechten Weg gebracht zu werden und lernen, das es eigentlich weniger um das Kämpfen gehen sollte...
BLU-RAY:
Für eine, wohl eher mit niedrigem Budget gedrehte Hongkong-Produktion aus dem Jahr 1972, sieht der Film teilweise sehr gut aus. Die extremen Unschärfen am Flughafen liegen, wie bereits einige Vorredner schrieben, einem eher schlechten Master zu Grunde. Aus diesem Grund kann man eben auch von einer Blu-Ray keine Wunder erwarten. Äußerst positiv hervorzuheben ist die fantastische Neusynchro des ZDF. Man mag zwar darüber streiten können, welcher Sprecher der geeignetere für Lee war, doch allein die stimmige Scriptübersetzung ist, genauso wie bei "Fist of Fury" um einiges besser. Ansonsten gilt für den Ton jedoch das gleiche, wie für das Bild - bei einem so alten Film...
F A Z I T:
Klar, auch "Way of the Dragon" ist ein Film, der von Kämpfen handelt und auch einige humoristische Einlagen hat. Dennoch merkt man dem Film an, das es Lee darum ging, seine Botschaft zu transportieren. In keinem anderen seiner Werke, sieht man ihn so ausgeglichen und oftmals fröhlich. Er spielt einen Mann, der bis zum Schluss darauf aufmerksam macht, das ein Kampf nur zur Selbstverteidigung dienen sollte. Dieser Film handelt nicht wirklich vom Hauptthema der anderen Lee-Filme - Rache. Ob "The Big Boss", "Fist of Fury" oder auch "Enter the Dragon" - grundsätzlich ist der von Lee dargestellte Chrarakter früher oder später von der Wut überwältigt und läßt dies seine Gegner spüren.
Manche halten "Enter the Dragon" ja für seinen besten Film, doch ich bin da ganz anderer Meinung. Zum einen hat "Der Mann mit der Todeskralle" (der deutsche Titel) wohl einen besonderen Bonus, da er der erste Martial Arts-Film einer Hollywoodproduktion war. Zum anderen fiel es mir schon immer negativ auf, das Bruce Lee in diesem Film immer sehr mürrisch und ernst aussieht. Die Kämpfe mögen größtenteils sehenswert sein, doch alles in diesem Film war mir einfach zu düster und umgeben von einem kalten Beigeschmack, nicht nur wegen Lees plötzlichem Tod im Juli 1973.
Die Faszination, die Bruce Lee auf mich ausübt, beruht viel eher auf diesem Vorgängerfilm. Auch wenn sämtliche Bruce Lee-Filme nicht gerade in der schauspielerischen Oberklasse anzusiedeln sind, und auch manche Szenen eher unfreiwillig komisch wirken, so sticht dieser hier doch erheblich aus dem Schatten der übrigen Werke. Was ihn für mich einen Tick besser macht als z.B. "Fist of Fury", ist die, bis zum Schluss eher negative Einstellung zum Kämpfen, während Lee in "Fist of Fury" oftmals wie ein Rachedürstiger Todesritter wirkt. Selbst der Weise wirkende Lee in "Enter the Dragon" ist doch letztlich vom Gedanken getrieben, den Tod seiner, in den Selbstmord getriebenen Schwester zu rächen und nebenbei einem Drogenhändler das Handwerk zu legen.
Anmerken möchte ich noch, das mir die deutschen Filmtitel Lees' Filme, schon immer ein Dorn im Auge waren. Wesentlich passender finde ich hier die internationalen Titel. So schließe ich meine Rezension mit dem Verweis auf "The Big Boss", "Fist of Fury", "WAY OF THE DRAGON" und "Enter the Dragon" - den einzigen vier Filmen, die Bruce Lee reichten, um die Kluft zwischen Ost und West zu überbrücken. Er ist auch heute, 38 Jahre nach seinem viel zu frühen Tod, ein Teil der Popkultur und beeinflusste viele Menschen - egal ob Kampfsportler, Regisseure oder gar Musiker - DANKE