Als langjähriger Fan von Iron Maiden, aber noch mehr von Bruce Dickinson, der Air-Raid-Siren, war ich natürlich extrem gespannt auf seine Biografie, denn es stand zu hoffen, dass diese ausführliche Betrachtung seines Lebens, die Teile aufdeckt, die in Interviews oft nur am Rande anklangen, also das Fechten, seine Liebe fürs Okkulte, natürlich seine beiden Bücher und die Gründe für seine letztendliche Entscheidung, solo weiter Musik zu machen.
Leider macht das Buch schon recht bald alle Hoffnungen zunichte.
Wichtige Stationen, wie der Einstieg bei Maiden werden auf wenigen Seiten abgehandelt und kaum kommentiert. Leider ist dies noch die ausführlichste Beschreibung aus seinem Leben.
Wichtige Dinge werden in Nebensätzen abgehandelt, so wird z.B. sein erstes Soloalbum in knapp 2 Seiten abgehandelt, inklusive Tournee und Video sowie zusammenstellen der Band!
Die Unzufriedenheit bei Maiden kommt in wenigen Zeilen zum Ausdruck und am Ende liest sich das Buch wie ein wohlmeinender Schulaufsatz über den Helden seiner Kindheit, denn was zu Genüge vorkommt sind völlig unreflektierte Lobpreisungen auf Bruce. In beinahe jedem Absatz wird er als schlau, intelligent, gerissen, ehrlich, bodenständig, mit einem Herz aus Gold, cool, liebenswürdig, intelligent, schlau, gerissen, ehrlich, intelligent, schlau ... dargestellt, ohne Zusammenhang und Bedeutung für den Rest des Textes. Das nervt nach einigen Seiten so sehr, dass man selbst als Die-Hard-Fan sich genötigt fühlt zu sagen: Na so doll war der nun auch nicht, der ist auch nur ein Mensch und der kocht auch nur mit Wasser ...
Die Zitate, die reichlich eingestreut werden, haben oft nichts mit dem Kontext des Kapitels zu tun, die Übersetzung holpert mehr als einmal (pro Seite!) und auch das Lektorat hat geschlampt, wenn es denn überhaupt eins gab! Immer wieder stolpert der Leser über Rechtschreibfehler, schlechte oder schlicht sinnentstellende Übersetzungen, die im deutschen absolut keinen Sinn mehr ergeben!
Die Aufmachung des Buches passt leider zum miserablen Inhalt: Die Schulbuchschrift drängt sich bis an den Rand und schmiert mitunter, wenn man mit dem Finger drüber fährt. Zeile an Zeile drängt sich der Text eng auf der Seite und vergällt einem das Lesevergnügen ziemlich.
Die Bilder von Bruce am Anfang sind komplett in Schwarzweiß, obwohl eindeutig auch neue Bilder dabei sind, die in diversen Magazinen auch in Farbe zu sehen waren! Dafür ist aber jedes Cover und jedes Ticket im zweiten Bildteil in Farbe ... eine völlige Verkennung der Schwerpunkte! Oder ist das Buch als Sammlerkatalog gedacht gewesen?
Insgesamt bietet sich einem also ein Buch der Marke 'Schlechter Amateur' und soll einem einen der besten und professionellsten Sänger des Heavy Metal näher bringen ... Ich glaube nicht!!!
Als Fans: Kauft Euch wenigstens das Original, da habt ihr mit nicht ganz so vielen Fehlern zu kämpfen!