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5.0 von 5 Sternen
schillernde Biografie einer vielschichtigen Person, 11. Juli 2001
Rezension bezieht sich auf: Bruce Chatwin (Gebundene Ausgabe)
Das Gesamtwerk Bruce Chatwins erscheint kaum so umfangreich wie diese gewaltige Biografie von Nicholas Shakespeare. Behutsam tastet er sich an die Person Chatwins heran, verfolgt seine Entwicklung, schildert Lebenslinien, -entwürfe und -brüche. Die Faszination, die viele Leser besonders der "Traumpfade" umfängt, und die nur allzuoft auch auf die Person Chatwins projiziert wird, gerät hier doch ab und an ins Wanken. Bruce Chatwin war eine schwer greifbare Person, fesselte Menschen beiderlei Geschlechts aber konnte auch wehleidig, sehr selbstzentriert und arrogant sein. Eine spannende Lektüre für jeden Chatwin-Fan, der mehr als die gängigen Klischees kennen möchte.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Nur ein Mensch, 23. März 2008
Ganz schön mutig, eine Biographie Chatwins zu schreiben, möchten die meisten seiner Anhänger ihn doch idealisieren. Tatsächlich ist der Mensch Chatwin, der hier beschrieben wird, wohl weit weg von den Vorstellungen seiner Fans.
Über 800 Seiten braucht es, diesen Menschen zu beschreiben und auch wenn ich manchmal gedacht habe, das Buch könnte auch etwas kürzer sein, wüsste ich im Nachhinein nicht, was Shakespeare hätte weglassen sollen, ohne das es gefehlt hätte, um das Bild komplett zu machen. Es ist sein Verdienst, das es spannend bleibt und es zeigt, das Chatwin eine Person mit vielen widersprüchlichen Seiten war.
Dieser Chatwin ist ein Schwätzer, ein Bisexueller, der sich seiner Sexualität schämt, was ihn nicht daran hindert, sie zügellos auszuleben. Ein Zerissener, der nicht bei einer Sache bleiben kann, weder beim Studium, noch bei einem Sujet, noch an einem Ort. Er nistet sich bei Freunden und Bekannten ein, ohne zu fragen, ob er willkommen ist und geht wieder, ohne zu fragen, ob er noch benötigt wird. Er ist seiner Frau niemals treu und seinen Geliebten auch nicht, er ist nur sich selbst treu, ohne zu wissen wer er ist.
Und doch scheint er das Leben aller, die ihm begegnet sind, bereichert zu haben. War nervig, hat aber den Horizont erweitert, war laut, hat aber auf die Stille gedeutet.
Wären uns nicht die meisten Künstler unsymphatisch, wenn sie uns begegnen? Muss man nicht den Rahmen sprengen, um wirklich Künstler zu sein? Muss man nicht rücksichtslos sein, um weiter zu gehen, als die Umwelt es will?
Shakespeare hat ein spannendes Buch geschrieben, das auch lesenswert ist, wenn man kein Chatwin-Fan ist. Er zeigt die Melancholie eines Heimatlosen, aber auch die Energie eines nimmersatten Schriftstellers und Reisenden.
Chatwin ist vielen interessanten Personen seiner Zeit begegnet, die sich in dieser Biographie an ihn erinnern und auch das ist interessant für jeden Leser. Die Londoner Künstlerszene tritt hier auf, man erhält interessante Einblicke in Zeit und Szene, man lernt etwas über Kunst und Schriftstellerei und ist immer wieder fasziniert von er Willenskraft und Energie, mit der Chatwin seinen Träumen hinterherjagt.
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