Katalonien ist schön - wildzerklüftete Berge, tiefe Wälder, sprudelnde Bächlein und satte Wiesen. Nichtsdestotrotz strengen sich in dem Film "Bruc" alle Protagonisten äußerst an, um dieses natürliche Paradies in eine Hölle zu verwandeln. Da wird gemetzelt und gemordet, da rollen Köpfe - und von der Genfer Konvention hatte damals auch noch niemand eine Ahnung. Damals bedeutet die Zeit der Napoleonischen Kriege, als das französische Kaiserreich Spanien besetzt hielt und die Einwohner einen unbarmherzigen Guerillakrieg gegen die Besatzungstruppen führten. Bei einem dieser Gefechte gelingt es den Widerständlern, eine gesamte französische Einheit zu vernichten, der junge Köhler Juan wird dadurch zur Legende.
Das verärgert Napoleon zutiefst - als Fernsehgebildeter weiss man ja, was für ein Choleriker der kleine Korse war - und er lässt seine Meuchelmörder von der Leine, um den spanischen Helden zur Strecke zu bringen, bevor er zur Symbolfigur wird. Das pittoreske Häuflein wird von einem Offizier namens Maraval angeführt, der auch vor Priester- oder Kindsmord nicht zurückschreckt, um sein Ziel zu erreichen. Auch seine Spiessgesellen sind ziemlich sinistre Typen mit exotischer Bewaffnung, die auf ihrer Jagd nach dem Widerstandskämpfer eine Schneise der Verwüstung durch das heutige Urlaubsziel ziehen. Der jugendliche Held ist ihnen aber immer einen Schritt voraus und sprintet unermüdlich durchs katalanische Gebüsch, auch diverse Verwundungen lassen ihn nicht schwächeln. Das erinnert doch sehr an das Script von Apocalypto von Mel Gibson, in dem ein junger Maya auch tagelang durch den Dschungel joggt und nebenher noch seine Verfolger dezimiert.
Dieser simple Plot ist nicht unspannend inszeniert und auch die Schauspielleistungen sind durchaus sehenswert, allen voran Vincent Perez als kaltblütigen Killer. Angenehm ist auch die Charakterisierung des Titelhelden, der weniger als heroischer Recke denn als zeitweise überforderter, verängstigter Junge dargestellt wird, aber seine Wandlung zum effizienten Buschkämpfer wirkt doch unglaubwürdig, und über die ganze Länge zeigt der Film einige Schwächen, die dünne Story hält nicht über 90 Minuten. Die Schlussszenen sind teilweise gerade lächerlich pathetisch.
Bruc ist eine relativ kleine Produktion mit sehr schönen Landschaftsaufnahmen, ohne große erzählerische Finessen und streckenweise auch unterhaltsam, allerdings kein Film, den man sich zweimal anschaut.