Es handelt sich hierbei um den zweiten Band in Breuers Reihe um die Französische Revolution. Es empfiehlt sich, davor Band 1 (
Die Liebesnacht des Dichters Tiret) gelesen zu haben. Dies ist zwar zum Verständnis des Buches nicht zwingend nötig, man hat aber ganz sicher mehr Spaß, wenn man die Hauptfiguren schon kennt.
Band II der Serie ist als historischer Krimi angelegt und besticht durch die minutiöse Zeichnung der Hauptcharaktere, die mir in diesem Buch mitsamt ihren Eigenheiten endgültig ans Herz gewachsen sind. Der Gelehrte Mickiewicz, der immer ein wenig zerstreut und schusselig wirkt, findet seinen perfekten Gegenpart im überkandidelten Marquis, der seine undurchschaubaren Absichten hinter einer gespielten Oberflächlichkeit verbirgt. Die beiden duellieren sich mit spitzfindigen Bemerkungen - die Gespräche der beiden lesen sich absolut köstlich und sorgen für so manchen Lacher.
Mit von der Partie ist außerdem der Amerikaner Thomas Duport, der in Band I seine Liebe, ein Auge und beinahe auch ein Bein eingebüßt hat. Er lässt sich davon jedoch kaum irritieren und stürzt sich voller Eifer in die Ermittlungen im Mordfall Winterhalter. Und in eine beginnende Liebelei mit der Gattin eines venezianischen Diplomaten. Das eine wie das andere ist kein ungefährliches Unterfangen und so läuft Duport ständig Gefahr, sich ein paar Watschn einzufangen, oder mehr.
Brouillé beginnt und endet buchstäblich mit einem Knalleffekt, dazwischen plätschert die Handlung dahin wie die geheimnisvolle Quelle im Wald von Vaujours. Man kann sich in aller Ruhe mit den handelnden Personen auseinandersetzen, sollte sich jedoch nicht von der vermeintlichen Ruhe täuschen lassen. Denn sobald man sich zurückgelehnt und ein Bild gemacht hat, fallen unerwartet Schüsse. In der Folge tritt Mickiewicz in Aktion, ruft alle Beteiligten in der Bibliothek zusammen, und beginnt, in bester Hercule-Poirot-Manier, den Kriminalfall aufzurollen und verschiedenste Theorien zu präsentieren. Jede Theorie klingt auf den ersten Blick plausibel, aber nur so lange, bis sie mit der nächsten Theorie widerlegt wird.
Im letzten Drittel des Buches sollte man sich daher wirklich nicht bei der Lektüre stören lassen, jeder Ablenkung ist aus dem Weg zu gehen, damit man den Gedankengängen und Überlegungen von Mickiewicz folgen und die Genialität der Konstruktion des Buches erfassen kann, dessen Ausgang mich gleich mehrfach verblüfft, überrascht und erheitert hat.
Liebenswerte Charaktere, eine anspruchsvolle Sprache, Dialoge voller Witz und Esprit, Situationskomik, Überraschungen und Knalleffekte, ein vielschichtig konstruierter Plot und ein meisterlich gelöster Kriminalfall - Zutaten für ein anspruchsvolles Lesevergnügen. Unbedingte Empfehlung!
(Dieser Text ist Teil meiner ausführlichen Rezension auf indiebookblog.wordpress.com)