Dass dieser Film in Deutschland so vernichtende Kritiken erhält, liegt daran, dass er nichts mit den uns seit Kindheit vertrauten Gebrüdern Grimm zu tun hat. Das will er aber auch gar nicht.
Stattdessen schickt Regisseur Gilliam zwei oft ungeschickte Helden in eine Welt, die zwischen dem "guten" Glauben an Märchen und der "bösen" Aufklärung -- symbolisiert durch dekadente französische Besatzer -- stehen soll.
Dieser Stilmix ist einwandfrei gelungen. Die vielen kurzen Verweise auf Grimm-Märchen sind liebevoll, und die angeblich schlechte Ausstattung des Filmes ist genau das Gegenteil, nämlich tipptopp und angemessen.
"Brothers Grimm" wird an den richtigen Stellen ernst ("Dies ist nicht Deine Welt!", schimpft der wundergläubige Bruder beispielsweise ohne jedes Augenzwinkern seinen rationalen Widerpart), hat eine saubere Motivation (die Gebrüder waren arm und eines ihrer Geschwister starb mangels Medikamenten und trotz Wunderglaube) und ist eben ein angloamerikanisches und kein deutsches Märchen.
Wer zwischen alten deutschsprachigen Märchenüberlieferungen auf Buchpapier und einem britisch durchwehten Kinofilm mit Zahlenmagie, Werwölfen, einer Trapperin und einer wunderländischen Spiegelkönigin unterscheiden kann, dem wird dieser Film gefallen. Ich jedenfalls fand ihn auf DVD und während einer Zugfahrt so gut, dass ich die Mitreisenden samt deren hartgekochtem Ei und Salzgurke völlig vergessen habe.