Für Jäger und Sammler von 70er Jahre Funk, Blaxploitation und Rare Groove Scheiben, waren die frühen 90er goldene Jahre, denn es war die Zeit in der Acid Jazz vom Geheimtipp zum Massenphänomen wurde. Viele neue Stars schossen damals aus dem Boden - wenige sind heute noch übrig UND erfolgreich. Jamiroquai fällt einem da auf Anhieb ein, und die Brand New Heavies schlagen sich zumindest in Japan noch recht erfolgreich durchs Leben, auch wenn ihre letzten beiden longplayer eigentlich recht schwaches Material boten. Schade ist das, denn es gab eine Zeit, da machte diese Band tatsächlich sehr gute Platten und diese hier kann man getrost als ihren ,finest moment' bezeichnen.
Konzeptmäßig war das eigentlich eine Fortführung von dem was Style Council in den 80ern machten, aber mit modernerem Sound und fast ohne Elektronik. Dieses organische Element machte Sie eben auch bei eingeschworenen 70er Jahre Funk und Soul Fans so beliebt, denn Anfang bis Mitte der 90er eine Funk Band zu sein die nahezu ohne elektronische Unterstützung auskam, war schon eher die Ausnahme. Oft vertiegen sich BNH in Funk Jams - vor allem auf den ersten 3 Platten - und echte songs waren da eher die Ausnahme; auf der Doppel LP - ja wer etwas auf sich hielt in diesen Zeiten, der kaufte Vinyl - Brother Sister aber, waren fast nur richtige songs drauf und die Annäherung an den Soul auch weitaus größer - die großartige Vocal cover Version von ,Midnight At The Oasis' legt davon u.a. Zeugnis ab, aber auch die Hits ,Dream On Dreamer', ,Spend Some Time' und das großartige ,Back To Love'. Und tatsächlich finden sich hier unter den 15 tracks, kaum schwache songs - hätte man nur eine einzelne LP gemacht, sie wäre schlichtweg großartig - aber auch so reicht es noch für 5 Sterne. ,Fake' ist sperriger und kantiger Funk der aber noch am ehesten dem typischen Acid Jazz entspricht, denn ansonsten ist man hier - trotz der eindeutig oft jazzigen Harmonien und Begleitung - eigentlich beim funkigen Soul.
Ein schöne Platte und wer auf Inocgnito und die österreichischen Count Basic abfährt, oder auch auf Jamiroquai, den wird diese Platte sicher schnell überzeugen. Der Nachfolger ,Shelter' ist übrigens auch noch durchaus empfehlenswert.