BROTHER MFC490CW MFP A4 color print scan copy fax LAN/WLANIch habe den MFC-490CW am Wochenende in Betrieb genommen und bin tatsächlich ein bisschen beeindruckt. Ich hatte längere Zeit überlegt, ob ich einen Brother-Drucker auch nur in die engere Wahl ziehen sollte, weil meine eigenen Erfahrungen und die von Bekannten früher nicht unbedingt berauschend waren und ich eigentlich immer Canon-Drucker zu meiner Zufriedenheit eingesetzt hatte.
Mittlerweile ist Brother aber so ziemlich der letzte Hersteller, der seine Tintentanks noch ohne eingebaute Chips belassen hat, die einem den Wechsel zu einem alternativen Anbieter oder das Befüllen erschweren sollen. Ich habe bei meinem letzten Canon jahrelang hochwertige Alternativtinte eingesetzt, dabei viel Geld gespart und nie Probleme gehabt - da Canon jetzt aber auch auf chipgeschützte Tintentanks umgestellt hat, war es Zeit, sich nach einem anderen Hersteller umzusehen.
Ich setze den Brother in einem kabelgebundenen Netzwerk ein und fand es extrem einfach, das Gerät dort in Betrieb zu nehmen: Auspacken, Verkabeln, mit Papier und Tinte befüllen, Fax-Senderinfos eingeben, dann die vom Router vergebene IP-Adresse ermitteln und das war's fast schon.
Das recht großzügige Farbdisplay hilft der Auswahl von Optionen und beim Druck von Speicherkarten und USB-Medien. Dabei ist es meist sehr eindeutig und logisch strukturiert. Das gilt auch für die Netzwerk-Einrichtung, die in anderen Bewertungsportalen manchmal als kompliziert dargestellt wird. Es gibt je ein Untermenü für LAN und WLAN, bei denen man die üblichen Parameter für IP etc. eingibt oder eben DHCP aktiviert. Ganz normale Standardkost für alle Geräte, die man in ein Netz einbinden kann eben. Bei WLAN zeigt das Display die gefundenen SSIDs an, erkennt die Art der Verschlüsselung und man kann den das Netzwerkpasswort bzw. den WPA-PreShared Key eingeben - fertig. Kompliziert also höchstens für jemanden, der noch niemals so etwas versucht hat. Und denen hilft das Netzwerk-Handbuch weiter, das im PDF-Format auf der CD und im Web bereitliegt.
An den Windows-Rechnern musste dann nur noch der passende Treiber installiert werden (ich bin Purist und habe nur die reinen MFC-Treiber und die Administrationssoftware von der Brother-Webseite installiert) - fertig. Zumindest diese Version ist sehr funktional und angenehm unaufdringlich gehalten - da hat Brother offenbar sehr dazugelernt.
Die weiteren Softwarezugaben von CD habe ich nicht installiert, denn ich suche mir meine Software lieber selbst aus. Daher kann ich die OCR-Anwendung "PaperPort" und was sich sonst noch an mehr oder minder nützlichen Progrämmchen auf der CD zu befinden scheint auch nicht bewerten. Die Verwaltungssoftware des Druckers ist jedenfalls logisch sauber strukturiert und lässt eigentlich keine Wünsche offen.
Die eingebauten Cardreader haben beim reinen Netzwerkeinsatz prinzipbedingt einen etwas geringeren Nutzwert als wenn der Drucker über USB direkt an einen Rechner angeschlossen wird. Immerhin werden alle eingesteckten Speichermedien per FTP im Netzwerk bereitgestellt und die Geschwindigkeit beim FTP-Download ist erträglich.
Das Gerät kann tatsächlich alles, was auf der Packung versprochen wird und ist sehr einfach zu bedienen. Die Fotoqualität von reinen Fotodruckern ist zwar merklich besser, geht aber durchaus in Ordnung. Normale Dokumente und Webseiten werden einwandfrei ausgegeben, außerdem ist der Drucker relativ leise, was zum Teil auch daran liegt, dass die Tintentanks über Schläuche mit dem Druckkopf verbunden sind und deshalb nicht permanent gemeinsam mit dem Druckkopf über das Papier bewegt werden müssen. Ein Flüsterwunder ist er aber auch nicht gerade.
Die Scanqualität und die Fotokopien sind auch im grünen Bereich - toll für einen Consumer-Scanner ist der automatische Dokumenteneinzug, der bei mehrseitigen Dokumenten einfach extrem viel Zeit spart und bei einem Kombigerät mit Faxfunktion eigentlich ein Muss ist. Der macht sogar einen ganz ordentlichen Eindruck, zieht vernünftig ein und ist nicht mal langsam. Wenn man mal ein Gerät mit ADF hatte, kann man sich keines mehr ohne vorstellen.
Gescannte Dokumente kann man sich vom Gerät aus per e-Mail schicken oder in einen Ordner auf einem PC im Netzwerk ablegen, aber meine Lieblingsvariante ist Scannen auf USB-Stick. Man geht ja sowieso mit den Originalen zum Gerät - dort steckt man vor dem Scan seinen Stick ein, wählt ihn als Ziel aus, scannt und nimmt beides wieder mit. Das ist total praktisch und läuft auf jedem Rechner, egal mit welchem Betriebssystem, immer gleich ab.
Wo wir beim Thema sind: Brother liefert Treiber für Windows und Mac OS-X direkt mit, Treiber für Linux bekommt man auf der Webseite aber auch und sie funktionieren unter Ubuntu 8.10 recht ordentlich, obwohl sie vom Funktionsumfang und auch qualitativ hinter den Windows-Pendants zurückliegen. Trotzdem: so eine breite Betriebssystem-Unterstützung bekommt man sonst fast nirgends und das verdient ein weiteres Lob.
Faxen steht bei mir nicht im Zentrum des Interesses aber zumindest kann meiner tatsächlich erfolgreich Senden und Empfangen - ersteres auch vom PC aus und letzteres auch als reine Speicherlösung ohne automatischen Ausdruck - prima, dann wird der ganze Fax-SPAM ab sofort gar nicht mehr ausgedruckt. Ein Telefonbuch und was ein Faxgerät eben sonst noch so kann gibt's auch.
Negative Punkte habe ich aber trotzdem auch gefunden: Die Druckgeschwindigkeit ist nicht annähernd so hoch wie von Brother angegeben - die Werksangaben sind eine echte Lachnummer, egal in welchem Druckmodus. Hier ist der Drucker eher unteres Mittelfeld in dieser Preisklasse, aber auch nicht wirklich schrecklich langsam. Außerdem ist der versprochene randlose Druck auf 10x15 Fotopapier leider doch nicht ganz randlos - etwa 1 bis 2 mm bleiben weiß.
Die Papiercassette ist von der eher fragilen Art und fasst leider nur 100 Blatt - das ist in Büros nicht akzeptabel, reicht aber für zu Hause. Das Handling für kleinformatiges Fotopapier ist auch gewöhnungsbedürftig - um das mal freundlich auszudrücken. Diese Papiere müssen oben auf der Cassette in einen beweglichen Träger eingelegt werden und man muss den ganzen Schlitten auf der entnommenen Papierschublade verschieben, wobei das Wort "Schlitten" nicht ganz passend ist, denn das hört sich nach "sanft gleiten" an - und das tut dieses Ding nun wirklich nicht. Dabei passen, je nach Papierstärke, höchstens 20 Blatt auf einmal in den Halter. Man fragt sich unwillkürlich, wie lange das wohl gut gehen mag - auch das kann man höchstens im SoHo-Bereich tolerieren, nicht aber im Büro.
Einen Unterschied zu "richtigen" Büromaschinen sollte man auch nicht verschweigen: der kleine Brother kann weder völlig selbstständig Mails verschicken noch Dateien per SMB/FTP/NFS auf beliebigen Netzwerk-Shares ablegen - dazu bedarf es eines laufenden Rechners, denn entsprechende Clients fehlen einfach in der Firmware. Obwohl das die meisten Heimanwender kaum stören dürfte, könnte Brother darauf in seinen Broschüren und technischen Daten ruhig deutlicher eingehen, denn manche Profis mag das durchaus abschrecken.
Trotzdem ist das Gerät für diesen Preis ein Funktionswunder und liefert bei der Verarbeitung von Bürodokumenten eine ordentliche Qualität in allen Bereichen bei exzellenter Bedienbarkeit. Echte Grafik- und Fotofreunde sollten sich aber wahrscheinlich ein anderes Gerät ausgucken. Auch für den professionellen Einsatz in Büros sollte man lieber mehr Geld ausgeben. Wer aber seinen Papierkram zu Hause mit mehreren Rechnern erledigen will, hin und wieder mal ein Foto schnell in der Hand haben möchte, ab und zu mal faxt oder gescannte Dokumente per e-Mail verschicken will, kann hier zuschlagen. Genau das ist das Einsatzgebiet für diese Maschine und hier stören die Schwachpunkte vor allem beim Papierhandling auch nicht.