Ein Prozeß in einer deutschen Kleinstadt. Die zwei vollkommen geständigen Angeklagten haben auf einer Dienstfahrt einen Bundeswehrjeep im Rahmen eines "Happenings" künstlerisch abgefackelt. Die Obrigkeit versucht, den Fall möglichst herunterzuspielen. Und so wird der Prozeß mit seinen skurillen Zeugen und Zuschauern selber zum Happening. Alles läuft nach den Regeln der großen Justiz ab, aber netter, fast familiär. Formal korrekt, aber mit ausnehmender Liebenswürdigkeit. Es ist keine drastische Strafe zu erwarten, kaum Überraschungen, alles ist von oben her abwiegelnd abgekartet. Die wesentlichen Ereignisse sind sozialer Art, und spielen sich eher in den Prozeßpausen ab, in den verschiedenen Etablissements des Dorfes, in der Gefängniswärterstube. Und immer wieder deutet die Wendung "später hieß es" an, daß es sich bei dem Prozeß um ein Ereignis handelt, das in der Kleinstadt noch Jahre später Stoff für Diskussionen und Analysen handeln wird. Wunderbar wird die zwiespältige Situation der Nachkriegszeit beschrieben. Der Widerstreit zwischen konservativer Haltung und dem Zwang, sich irgendwie progressiv geben zu wollen. Sinn und Unsinn der Kunst wird einträchtig mit Sinn und Unsinn der Bundeswehr verhandelt. Der Auftritt des Wortes Happening in eingedeutschter Form sorgt für ein köstliches Spiel zwischen den Beteiligten. Einige haben das Wort noch nie gehört und deuten es völlig falsch. Andere kennen es und machen sich über diese Leute lustig, wissen aber selber auch nicht wirklich Bescheid. Ein leicht und angenehm zu lesendes Buch mit einem herrlich ironischen Unterton, manchmal etwas zu ausladend provinziell, aber nie langweilig. Genial vor allem die präzisen Aufzeichnungen der Dorfgespräche, die sich oft in spitzfindigen Bemerkungen um die Deutung eines im Prozeß gehörten Wortes oder einer Geste drehen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)