Wie die Blütenblätter einer Blume in der Sonne, so öffnet sich die Heldin dieser liebenswerten Emanzipationsgeschichte dem Leben. Gleich Venedigs zauberhafte Gassen sind auch die Pfade der Seele oft verwinkelt, doch genau hier in dieser malerischen Lagunen-stadt, finden Sehnsüchte und Träume neue Pfade. Was ursprünglich nur als kurzer Urlaub vom Alltag als Hausfrau und Mutter geplant war, wird für Rosalba zu einem ganz großen Abenteuer. Die Geschichte sprudelt nur so voll wieder entdeckter Lebensfreude, die sehr ansteckend wirkt und den Zuschauer mit einem großen Gefühl des Wohlbefindens erfüllt.
Ein Familienurlaub allein kann ja schon eine Strafe sein. Aber wenn man nicht nur von der Familie, sondern von der gesamten Reisegesellschaft an einer Autobahnraststätte vergessen wird und dann auch noch telefonisch heftige Vorwürfe vom Ehemann bekommt, weil nun der Bus durch dieses Missgeschick ganze zwei Stunden verliert, darf man schon mal frustriert sein. So geht es auf jeden Fall Rosalba, die im Alltag als Hausfrau und Mutter aufopferungsvoll für ihren Ehemann und ihre zwei Söhne sorgt und eigentlich erholsame Ferien verdient hätte. Kurz entschlossen gönnt sie sich einen Ausflug nach Venedig, wo sie die Zeit für sich ganz allein in vollen Zügen genießt. Bei diesem Hochgenuss vergisst sie allerdings pünktlich am Bahnhof zu erscheinen und so kann sie ihren Zug gerade noch abfahren sehen. An Geldmitteln äußerst knapp, erkundigt sie sich in einem kleinen Restaurant bei dem Kellner nach einer preiswerten Unterkunft. Kellner Fernando mit den traurigen Augen und der gewählten Aussprache bietet der hilfsbedürftigen Rosalba eine Schlafgelegenheit in seiner bescheidenen Wohnung an, wo er in Windeseile einen Strick verschwinden lässt, mit dem er sein Leben beenden wollte. Am nächsten Morgen wird Ro-salba von einem liebevoll gedeckten Frühstückstisch empfangen. Gerührt schreibt der Übernachtungsgast einige dankbare Zeilen an den abwesenden Gastgeber. Bei einem weiteren Streifzug durch Venedigs Gassen bemerkt Rosalba einen Blumenladen, wo eine Aushilfe gesucht wird. Den anarchistisch angehauchten Eigentümer des Geschäfts, der einen Arm verletzt in der Schlinge trägt, hat sie bald mit Charme und Elan von ihren Fähigkeiten überzeugt. Nach dem ihr Fernando ein Zimmer für unbestimmte Zeit zur Verfügung stellt, setzt Rosalba ihre Familie schriftlich darüber in Kenntnis, dass sie sich länger Urlaub vom Alltag nehmen wird.
Die verlassenen Männer sind natürlich wenig begeistert. Die Wohnung beginnt bereits zu verwahrlosen und die langjährige Geliebte des Ehemannes weigert sich sogar, dessen Hemden zu bügeln. Doch so sehr der cholerische Ehemann Mimmo tobt und wütet, es nutzt ihm nichts. Schließlich überredet er einen Bewerber in seiner Firma, nicht als Klempner zu arbeiten, sondern als Privatdetektiv für ihn die Ehefrau zurück zu holen.
Während das dickliche Mustersöhnchen nach den bewährten Ratschlägen seiner Lieblingslektüre, den Kriminalromanen, vorgeht, um die Frau seines Chefs aufzuspüren, genießt die Aussteigerin ihre neugewonnene Freiheit. Sie freundet sich mit der Nachbarin Fernandos an, kauft sich vom ersten Gehalt ein leichtes, wunderschönes Kleid, bindet voll Freude Blumen für ihre Kunden zu schönen Sträußen und entdeckt ihre Freude für das Musizieren neu. Aus der unsicheren Frau, die am Anfang oft linkisch etwas fallen lässt, wird eine selbstbewusste Frau, voller Leben und Anmut. Dieser Lebensmut wirkt auch ansteckend auf Fernando, mit dem sie sich vorsichtig anfreundet. Die Beziehungen zwischen den neuen Bekannten werden immer enger und familiärer. Doch Rosalba ist ja bereits verheiratet und hat zwei Kinder und für eine erwachsene Frau im mittleren Alter, dauert ihr Urlaub von Alltag und Familie eigentlich schon ziemlich lange. Wird aus diesem Abenteuer am Ende doch ein ganz neues Leben?
Licia Maglietta ist eine wundervolle Rosalba. Es ist erstaunlich, wie die Schauspielerin mit ihrer Schönheit umzugehen weiß, die sie in ganz bewussten Momenten des Films zum Funkeln bringt. Bruno Ganz spielt dazu den Kavalier der alten Schule, welcher der Hausfrau Rosalba mit wohltuendem Respekt begegnet und die Heldin mit seinem angenehm höflichen Auftreten beeindruckt, sehr überzeugend. Der melancholische Blick des Kellners weicht einem vorsichtig-verliebtem Hoffnungsschimmer, der auch dann noch sichtbar ist, als Fernando vor dem Abschiedstrauß aus Tulpen sitzt, wo jedes abfallende Blatt sorgfältig in einer Schale aufgefangen wird.
Natürlich spielt auch die Musik eine wichtige Rolle, schließlich ist sie der Liebe Nahrung. Die Hintergrundmusik ist hier aber sehr dezent. Dominanter wird sie nur, wenn sie im Film selbst gespielt oder gesungen wird - und dann mit sehr viel Gefühl!
Natürlich hätte man als Zuschauer noch gerne mehr von Venedig selbst gesehen und den vielen berühmten Plätzen. Aber dies ist halt eine Stadtansicht für die kleinen Leute, die sehr stilvoll präsentiert wird.