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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
ein Autor zum Wiederentdecken,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Brot (Gebundene Ausgabe)
Vielleicht gerade deshalb, weil dieser Roman mit der Blut-und Boden-Literatur der NS-Zeit in Verbindung gebracht wird, lohnt sich heute eine unbefangene Lektüre und die Frage, wieweit das scheinbar Unzeitgemässe zeitlos geworden sein könnte. Ich kann den Roman schon allein wegen seines Stils, der Schönheit des Textes und der Schilderungen jedem empfehlen, der ein bleibendes Leseerlebnis sucht.Wer sich von so einschränkenden Begriffen wie "Heimatdichtung" nicht abhalten lässt diesen faszinierenden Erstlingsroman zu lesen, wird einen seltsamen Fund machen: Etwas, das vielleicht provozierend ist, weil nicht "engagiert", oder einfach zu schön und vielleicht auch nur ein pseudobäuerlicher Mythos, der den Leser zu einem zu einfachen Weltbild verführen will. Gleichgültig kann man diesem Roman nicht gegenüberstehen - für mich ein Buch zum Wiederlesen in der Kategorie des "wenn ich mir nur einziges Buch auf eine Insel mitnehmen könnte". Dieses käme in die engere Wahl. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Viel mehr als Heimatdichtung,
Rezension bezieht sich auf: Brot (Gebundene Ausgabe)
Zunächst einmal verdient das Land nicht weniger literarische Zuwendung als die Stadt, und als 'Blut und Boden' würde der Charakter des Romans verkannt: Schließlich ist Landwirtschaft unerläßlich zur Ernährung, auch dafür wächst unserer Tage das Bewußtsein. Überdies läßt sich aus ihrer Wetterabhängigkeit mehr Frustrationstoleranz lernen; körperliche Arbeit lehrt Kummer zurückzudrängen und fruchtloses Grübeln beiseitezuschieben: kein schlechtes Rezept.Das harte Bergbauernleben ist nur mit Willenskraft und Gewöhnung zu bewältigen, früh verschleißt es die Menschen; überdies rettet sich die ganze Geschichte gerade noch über Spekulation und andere Zivilisationssegnungen. Hier wird keine innere Idylle vorgelogen, denn in fast unmenschlicher Anstrengung rekultiviert und erweitert der Held alleine aufgelassene Flächen, die ihm gar nicht gehören, also in eigentlich ungesetzlicher Landnahme. Trotz Klugheit und Willensstärke kennt er dunkle Regungen, er versteht, handelnd zu hassen, daß es eine Freude ist, aber eben auch seinen Weg unbeirrt zu verfolgen. Keineswegs hinterwäldlerisch, erzeugt er endlich sogar eigenen Strom. Um ihn herum begegnen tüchtige Frauen mit unangefochtenem Selbstverständnis, selbst Abtreibungsversuche werden unbedenklich unternommen, Untreue, Dorfintrigen, unerfreuliche Machtstrukturen, ein brüderlicher Taugenichts, uneheliche Kinder, aber auch Gäste, entfremdet vom Stadtleben: Nichts wird beschönigt, Lebenswahrheit überall, auch Nebenfiguren erhalten deutliches Profil. Man kann sich der Anteilnahme an ihren Schicksalen nicht entziehen, und das beinahe symbiotische Verhältnis zu den Nutztieren ruft schmerzhaft ihren Mißbrauch in industrieller Produktion ins Bewußtsein. Nun pflegt Waggerl keinen ausgeprägten Werkstil, eigentlich poetische Mittel begegnen nicht häufig, wie wohl auch im Bewußtsein ländlicher Menschen außer Vergleichen wenig davon zu finden ist. Als konservativ auktorialer, doch bescheidener Erzähler vertritt er den realistischen Hauptstrom seiner Zeit, schildert und beschreibt schlicht, doch anschaulich und lebendig, doch vor allem beherrscht er staunenswert die Kunst, wie sonst nur Stifter, die Psychologie seiner meist wortkargen Gestalten durch nichtsprachliche Kommunikation, Handlungsweisen und Umgebung aufzufächern und zu vertiefen: So geben sich z.B. Interieurs als Seelen-Innenräume zu erkennen. Dialekt wird vermieden, doch wenn gesprochen wird, dann idiomatisch schlicht und kraftvoll. Sentimentalität kann sich niemand leisten, auch die Geschlechter - und mit ihnen der Erzähler - kommen ohne Umschweife zur Sache: '»...kommst du?...« Oh, Eva hat ihm den Apfel gereicht, und er, Adam, hat den Apfel genommen. Werden nun Dornen wachsen in Eben?' So einfach ist das. Welche Wohltat gegenüber dem endlosen Geschwätz und Geschwafel unserer Tage! 'Brot' ist vergleicht sich als gute Literatur am ehesten wohl mit Hamsun und geriet, wie so manches Wertvolle, sehr zu Unrecht nicht nur gegenüber kurzlebigen 'Berühmtheiten' von heute ins Abseits, sondern auch gegenüber gegenwärtig gefeiert Minderwertigem von ehedem wie Marai. Mäße man den Roman an den Absichten seines Verfassers, so verdiente er 5 Sterne, doch weil seine Welt, die man in der langen Friedenszeit vor dem ersten Weltkrieg anzusiedeln hat, heute eng begrenzt und bis auf Reste entschwunden erscheint, werden die meisten Leser das Paradeigmatische daran verkennen: Fast 5 Sterne. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hamsun-Epigone oder doch genuines Kunstwerk?,
Von
Rezension bezieht sich auf: Brot (Gebundene Ausgabe)
Es geschehen noch Zeichen und Wunder: man bekommt eine alte abgegriffene Schwarte aus Omas Bücherkiste in die Hand, verdächtig martialisch gestaltet, eigentlich zum Entsorgen, man liest die ersten Zeilen ... und bleibt hängen. Schon die Eröffnung des Romans zeigt: da trifft einer den hohen poetischen Ton, jedes Wort sitzt, die Bilder stimmen - Waggerl, ein bislang kaum wahrgenommener Name, kann erzählen, ganz offensichtlich. Aber wenn man nur wenige Augenblicke später liest, "Ein Mann tritt unten aus dem Walde, ein Mensch, der plötzlich Hand anlegte und da war", da wird die literarische Schule bereits überdeutlich: der Riese Knut Hamsun. Und Hamsun scheint in diesem Erstling Waggerls an allen Ecken und Enden durch; das beginnt bei besagter Neuerschließung des Landes, der Adam-und-Eva-Situation ("Segen der Erde"), das setzt sich beim Grundkonflikt von destruktiver Moderne versus naturnahes Leben fort (August-Trilogie), auch der Suche nach dem Menschlich-Allzumenschlichen ("Die Weiber am Brunnen", "Das letzte Kapitel"), bis in die Personage hinein (Simon/Isaak, der Müller/Kaufmann Mack etc.) und das lässt sich bis in die einzelnen Szenen - etwa die Stierszene u.v.a. -, und in die sprachlichen Idiosynkrasien verfolgen. Mehr als genug Gründe, Waggerl als Hamsun-Epigonen zu verurteilen. Und trotzdem, das Buch verdient fünf Sterne. Zum ersten ist es gerade die Hamsun-Linie, die ja inhärent gegen den bedingungslosen Neuerungsgeist, das Experimentieren polemisierte, zum anderen aber hat der norwegische Nobelpreisträger eine weite Tür aufgestoßen und die literarischen Möglichkeiten mit seinen zehn geglückten Romanen noch längst nicht ausgeschöpft. Immerhin, ohne Hamsun wären die Werke eines Johan Falkberget, William Heinesen, Hans Kirk, Gunnar Gunnarsson und selbst Halldór Laxness, alle von weltliterarischem Rang, nicht möglich gewesen - das waren freilich alles höchst originelle Autoren. In diese Kategorie passt Waggerl nun nicht, denn seine originären Ideen sind bescheidener: Er löst Inhalt und Form von der nordischen Landschaft und überträgt die Handlung in eine mitteleuropäische Berglandschaft, er besitzt genug Weltweisheit um den berühmten Hamsunschen Lehrsätzen über Liebe und Hass, Treue und Verrat, Leben und Tod, Werden und Vergehen ... noch einige eigene anzufügen und er verfügt über ein feines psychologisches Sensorium, das auch die kleinen Zeichen zu lesen weiß - wunderbar etwa, wie er die innere Dynamik von der Einsamkeit zur Zweisamkeit zur Dreisamkeit bis zur Vielfalt erfasst oder auch die geschlechtlichen Differenzen. Vor allem aber, und das hält er den gesamten Roman durch, beherrscht Waggerl das schriftstellerische Handwerk, ist er ein genuiner Künstler, geborener Erzähler, fähiger Gestalter - mehr als eben nur ein Nachmacher.
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