Wer Experimente mag, dem sei dieses Buch empfohlen. "Brook Steinberg" ist keine Liebesgeschichte, kein Krimi, kein Science Fiction, kein Horror, keine Detektivgeschichte. Es ist alles das zusammen und entzieht sich einer eindeutigen Genrezuordnung. Es ist prosaisch, poetisch, zart, krass, düster und humorvoll. Es ist unbedingt rätselhaft. Worum geht es? Irgendwo ganz in unserer Nähe, irgendwann ganz in nächster Zukunft gibt es ein Detektivbüro, in dem unsere lesbische Heldin arbeitet. Eine Detektei, die u.a. nach "verschwundenen Personen" sucht, "natürlich nur nach solchen, bei denen es noch nicht an der Zeit ist zu verschwinden". Hier beginnt der Roman. Auf rätselhafte Weise verschwinden unentwegt Personen, und zwar solche, die "untragbar" geworden sind: Alte, Kranke, Rebellen. Unbequeme eben. Brook Steinberg lebt in dieser Welt, ohne mehr Fragen zu stellen als alle anderen. Bis ihre Geliebte verschwindet. Jetzt macht sie sich auf die Suche und gerät immer tiefer in einen Strudel rätselhafter und paradoxer Situationen. Und schließlich "verschwindet" sie selbst mehrere Monate lang für ihre Außenwelt. Die verschwundene Zeit verbringt sie in einer bizarren Parallelwelt, die unentwegt grausame Überraschungen bereithält. "Brook Steinberg" ist kein lustiges Buch. Doch es ist durchdrungen von einem sympathischen, trockenen Humor. Streckenweise erinnert es an Orwells "1984" oder an Huxleys "Schöne neue Welt". Bis zum Schluß bleibt die Handlung geheimnisvoll und hinterläßt eine kafkaeske Stimmung. Vielleicht strengen die ersten zwanzig Seiten etwas an - macht nichts, einfach weiterlesen, denn dann kommt das Buch in Fahrt, und man unweigerlich in den Sog absurder, komisch-düsterer Bilder und Gefühle hinabgezogen. "Brook Steinberg" ist ein ungewöhnlich anderes und experimentierfreudiges Debüt.