es war bei "you forgot it in people", dem vorgänger, abzusehen, dass dieses kanadische künstlerkollektiv eine sonderrolle in der heutige popwelt innehat. songs, die im postrock anfingen und im indie-pop aufhörten, die berauschend, wild, ruhig, atonal, ungestüm, und oft aber einfach nur harmonisch und schön waren. die brücke zwischen krach und eingängigkeit war da zu ihrer perfektion getrieben.
das neue album macht ungeahnt erfolgreich weiter. das ursprüngliche projekt des post-rock, die klassische (rock)songstrukturen zu überwinden, gelingt hier erstmals plastisch, sprich: es ist eine platte, die zwischen den songs lebt. sie erreicht nie einen guten popsong. was zählt sind die momente, die kleinen ideen drinnen. vielschichtig ist das ganze (wie auf "you forgot it in people") allemal. also braucht es einfach vier oder fünf durchgänge um in den songs die einzelheiten zu entdecken.
womit wir es zu tun haben ist also eine platte, die das gefühl erweckt von vier bands geschrieben worden zu sein. es sind ja auch ungefähr achtzehn menschen dabei (inkl. leuten von den stars, oder leslie feist). wenn man aber mal diese details erforscht eröffenns ich universen. es hat nie so sehr spaß gemacht, nicht auf songs, sondern auf momente zu hören.
"7/4 (Shoreline)" ist ein hit vor dem herrn, "ibi..." ist in seiner verschobenheit, seinem unaustehlichen emo-gesang und diesem unglaublichen aufbau das eigenartigste stück musik, das kanada in der letzten zeit hervorgebracht hat. ach ja, kanada... neben arcade fire und den stars, die heuer schon unglaublich gute alben veröffntlicht haben, steht also hier vor uns die vielleicht erste band, die sich aus dem postrock-umfeld emporheben konnte, um was neues, bedeutendes zu machen. wo arcade fire also das pathos rehabilitierten, rehabilitieren broken social scene hier den postrock. mit diesem album sogar noch mehr als mit dem meilenstein "you forgot it people". es ist eigenartig, komisch, vertrackt, langweilig, kurzweilig, verspielt, sehnsuchtsvoll, aufnahmebvereit, elegant....
vielleicht werden wir erst viel später realisieren, wie großartig das ist, was diese band für uns getan hat. wie sie den song auflöst. wie sie die streicher einsetzt. wie die bläser jedes mal auf neue pathos aufschmieren, des arcade fire in den schatten stellt. wie sie einfach unglaublich gute musik machen, die ihrer zeit weit voraus schient. "innovativ" wäre wohl das wort dafür. aber vergesst es, nichtmal das ist geeignet, diesem album die nötigen loorbeeren zu verpassen....