Wißt Ihr eigentlich, daß die Welt kalt ist? Ja? Oder habt Ihr da noch immer so Eure Zweifel? Die Tragödie rund um Owen Hart bestätigt mich da wieder in meinem Denken. Die Welt ist verdammt kalt, richtig frostig geht es erst bei der so legendären Hart Familie zu, die anscheinend großteils von allen guten Geistern verlassen zu sein scheint...Das Buch "Broken Harts" soll nicht etwa eine Chronologie der großartigen Kämpfe von Owen Hart darstellen, sondern ist vielmehr eine Darstellung der Person Owen Hart. Und von ihm können sich so manche schrulligen Zeitgeister ein großes Stück abschneiden.
Ja, viele kennen Hart als den kleinen Bruder vom "Hitman" Bret Hart, viele wissen von seinem Ableben bescheid. Und genau da liegt der Hund begraben, im traurigen Sinne. Der Mann mußte sterben, weil es die kalte Welt so wollte, genauer gesagt ein Unternehmen, das nur auf Profit aus ist: die WWE (vormals WWF).
Ich verfolge das Wrestling nun schon seit 1984, bin also halbwegs informiert. Die Transformation, die dieser Sport durchlebt, spottet allerdings jeder Beschreibung. Das Wrestling an sich trat immer mehr in den Hintergrund, das Spektakuläre nahm Überhand. Nein, ein Einmarsch der Athleten war nicht genug, manche kamen und kommen wie Batman in den Ring.
So auch Owen Hart, der eigentlich Feuerwehrmann werden wollte, aber in den Sog der Hart Familie kam und das Wrestling sein Schicksal und traurigerweise auch sein Sargnagel wurde. Ein Mann, der sich stets auf seine Frau Martha und seine 2 Kinder Oje und Athena konzentrierte, ein Mann, der das nun oft schon perverse Wrestlingbusiness verdammte.
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Owen startete in der familieneigenen Stampede Wrestling, kam dann kurzzeitig zur WWF (welcher Vollidiot ist eigentlich für das lächerliche Blue Blazer Gimmick verantwortlich), stieg dann in Europa in diverse Ringe (konnte ihn auch in Linz 1990 live sehen - werde ich nie vergessen)und kehrte dann wieder in die WWF zurück.
Mit dem Ersparten schufen sich Owen und seine Frau und Kinder ein schönes Eigenheim, dieses konnte er aber nicht mehr genießen.
Im Mai 1999 stand der WWF pay per view "Over the Edge" in der Kemper Arena in Kansas City, Missouri auf dem Programm. WWE-Eigentümer Vince McMahon war es wieder ein Bedürfnis, Owen Hart als Blue Blazer antreten zu lassen. Wer das Blazer Kostüm kennt, wird wie ich der Meinung sein, daß man einen Mann mit 110 kg Muskelmasse nicht dämlicher verkleiden kann. Der Blazer sollte an eine Art Weißkopfgeier erinnern, und wie wir wissen, fliegen Vögel.
Man ahnt nun schon, was kommt. Als "Stunt" sollte Owen Hart von der Decke der Kemper Arena in den Ring abgeseilt werden. Klar, in der Zeit, wo die Jungs anfingen durch Tische zu fliegen und "Wrestling" nur ein Beiwort war und ist, muß man ja auch von Anfang an trendy wirken. Damit habe ich ansich kein Problem, aber die Sicherheit der Akteure MUSS gewährleistet werden.
Tja, anscheinend hat die WWF den Sparstift ansetzen müssen, denn für Owen Hart war für den Stunt ein SIMPLES Seil mit Karabinerhaken vorgesehen. Und wenn Boss McMahon das so anordnet, dann sollte man sich besser nicht dagegenstellen, denn wie wir ja alle wissen, ist jeder ersetzlich. Hart hatte so seine berechtigten Bedenken, aber McMahon versicherte ihm, daß Topprofis als Beistand anwesend wären. (später stellte sich aufgrund polizeilicher Untersuchungen heraus, daß der anwesende Stuntkoordinator keinen blassen Schimmer hatte - man beachte, nobodies kosten weniger!!)
Owen ließ sich auf den zweifelhaften Stunt ein, und der Rest ist traurige Wrestlinggeschichte. Hart enterte den Ring im freien Fall, der Karabiner löste sich, und er schlug auf, was seine Aorta abriß und die Brust mit Blut füllte. Interne Verletzungen -Hart war nicht mehr zu retten. Jetzt kommt es aber ganz dick - die Show lief weiter und wurde komplett zu Ende geführt, Ärzteteams kämpften um das Leben des schwer verletzten Gladiators, seine Kollegen hatten Tränen in den Augen. In diesem Zusammenhang werde ich nie das Pre-match Interview von Jeff Jarrett und Debrah vergessen, die offensichtlich unter Schock standen und den Text vergessen hatten. "Owen we love you!!" Währenddessen fuhr die Rettung vorbei!
Ein Gutteil des Buches beschäftigt sich dann nach dem fatalen Dahinscheiden mit den polizeilichen Nachforschungen und den Vorbereitungen für eine geschmalzene Klage.
Und genau da wird das Buch extrem, denn die Details verschlagen einem die Sprache. Vor allem wird deutlich wie kaltschnäuzig und unberechenbar Vince McMahon ist. Ich meine, den Tod eines Ex-Angestellten herunterzuspielen und aus dem Ableben auch noch Profit zu machen, ist schon sehr tief. Aber McMahon ist ein Meister des Makabren und "untersten Schublade". Da stehen seine Ringer zu einem Salut bereit, alles inklusive mit 10x ring bell salute. Danach konnte jeder Catcher seine Emotionen freien Lauf lassen, der Fortgang der "Over the Edge" Show wurde verteidigt, es wäre sicher ganz im Sinne von Owen Hart gewesen. The show must go on - perverser geht's nicht.
Man kann Owen's Frau Martha nur große Bewunderung ausdrücken, die Frau ist oftmals nahe eines Zusammenbruches und wird nur von ganz, ganz wenigen Leuten unterstützt.
Und genau hier zeigt sich, wie instabil, verlogen und grausam eigentlich der komplette Hart Clan, mit wenigen Ausnahmen, ist.
Da fange ich mal mit der Legende Stu Hart und seiner Frau Helen an. Beide sind nicht mehr im Besitz der vollen Kräfte und auch mental ist es mit den beiden Oberhäuptern der Familie nicht unbedingt weit her. Anstatt mal Tacheles zu reden, werden sie von den raffgierigen Töchtern Diana und Ellie nach Strich und Faden belogen und gegen Martha aufgehetzt. Man soll es nicht glauben, aber vor allem diese beiden Töchter schafften es beinahe, daß die Klage gegen die WWE und Vince McMahon Schiffbruch erleidet hätte.
Hier wieder der alte Klassiker von "Geld regiert die Welt". Eine Tragödie, wie sich die beiden mit McMahon verbündeten, nur um eine neuerliche Anstellung von "British Bulldog" Davey Boy Smith und Jim Neidhart in der WWE zu erreichen. Also, wie die beiden über sprichwörtliche Leichen gehen ist eine menschliche Zumutung! Erinnern wir uns wieder an meine Einleitung von der "kalten" Welt. Der Rest des Clans ist nicht viel besser, denn man sollte nicht die Hand beißen, die einen füttert. Aber das Ableben des Bruders Owen war da nur mehr marginal wichtig.
Es kam, wie es kommen mußte: die Klage hat die Familie komplett zerrissen, ich möchte sagen, zerstört. Einzig Bret Hart hat klar für Martha Partei bezogen und sie vorbildlich unterstützt. Hier wäre anzumerken, daß der Hitman durch einen handfesten Skandal bei den Survivor Series 1997 aus der WWE verabschiedet wurde. Klarerweise hat er auch noch eine gewaltige Rechnung mit Diktator McMahon zu begleichen.
Vor allem im Fortlauf des Prozesses erweist sich der gute Vince als ein übler Feigling, der sich hinauswinden will, wie ein Aal!
Keiner bedenkt hier, wie Owen's Frau, vor allem aber seine kleinen Kinder leiden müssen. Wieso ist hier wirklich am falschen Ende gespart worden? Wenn die Kids einmal größer sind, wie soll man ihnen den Tod ihres Vaters erklären? Fragen über Fragen...
Zuguterletzt einigt man sich auf einen Vergleich, der Martha Hart zig Millionen US-$ zusichert. Vor allem beeindruckend ist hier die große Liebe und Bindung zu ihrem verblichenen Mann. Auch das wird in dem Buch mehr als deutlich beschrieben. Die Frau hat ganz einfach ein großes Herz. Mit dem Geld wurde die Owen Hart Foundation gegründet, die bedürftigen Menschen unter die Arme greift und wieder ins Leben zurückhilft. Respekt! Besser kann sie ihren Mann nicht ehren. Das aber gebrochene Herzen und oft ein Zweifel an irdischer Gerechtigkeit zurückbleiben, ist eine andere Sache!
Fazit: das Buch ist eine klare Kaufempfehlung, auch Leute, die nichts mit Wrestling am Hut haben, sollten zugreifen. Und immer bedenken: wir alle meckern und mosern herum, oftmals über Dinge, die es nicht einmal wert sind, sie zu erwähnen. Das Schicksal kann oft beinhart sein, das sollte man nie vergessen. Man kann aus der herben Story eigentlich nur lernen!