Eigentlich ein Klassiker: Ein Mann, nennen wir ihn Don Juan oder auch Casanova hat sein Leben lang immer wieder großartige Frauen flachgelegt, aber eben auch nur das, es ist ihm nie gelungen, eine ernsthafte Beziehung aufzubauen, und so hat er irgendwann genug von seinem Hobby und zieht sich zurück. Das neue an diesem Film: Es fängt an, als sich unser Schürzenjäger schon zurückgezogen hat. Die wilden Zeiten sind also Vergangenheit. Zwar gibt es da noch eine sehr hübsche Dame in seiner Nähe, aber eigentlich hat er das alles schon hinter sich. Casanova hat in vergleichbarer Situation begonnen, Bücher über sein Leben zu schreiben. In diesem Film hat aber der Protagonist selbst dazu keine Lust. Man ist saturiert, finanziell und überhaupt.
Und dann kommt doch noch der kleine Paukenschlag, der sein Leben in Unordnung bringt und ihn ein klein wenig wieder aufwachen lässt: Haben die vielen Verhältnisse, die Affären mit den Frauen dann doch zu Nachwuchs geführt? Mein Gott, habe ich etwa ein Kind, von dem ich nichts weiß, dass sein Leben ohne mich führt, mich vielleicht braucht und etwas über mich erfahren will? War mein Leben vielleicht doch nicht ganz umsonst? Nicht völlig folgenlos?
Ich persönlich finde diese Fragestellung schon aufregend, es setzt aber wohl voraus, dass man sich mit der Hauptperson zumindest ein bisschen identifiziert. Der Film stellt diese Fragen nämlich nicht offen. Äußerlich bleibt unser Casanova kaum berührt. Er selbst würde sich diese Fragen vielleicht auch nie offen stellen. Aber wie es in ihm brodelt, erfährt man, als er sich auf die Suche nach seinen Geliebten macht, und dabei mit seinem früheren Leben und seinen früheren Lieben konfrontiert wird. Manche der Frauen sind einfach schrecklich, an manchen ist eine große Liebe verloren gegangen, aber alle sind durch ihre jeweiligen Darstellerinnen perfekt und schlüssig dargestellt. Alle sind interessant und lohnen wohl ein Verhältnis. Aber wie auch unser Held haben alle auf ihre Weise auch das Leben - oder zumindest dessen aufregendste Zeiten - schon hinter sich.
Der Film ist keine leichte Kost. Wie schon gesagt, der Film gewinnt seine Faszination erst dadurch, dass sich der Zuschauer selbst Gedanken macht, was in den Köpfen der Menschen vorgeht. Im Gegensatz zu anderen Filmen haben diese Motivationen und Gedanken auch hinter den Dialogen. Aber Jarmusch ist als Regisseur clever genug, diese dem aufmerksamen Zuschauer auch transparent werden zu lassen. Und auch das Ende ist sehr offen, und es Bedarf der Interpretation. Aber eine kleine Idee zum Schluss: Sieht man sich die möglichen Erklärungen an, überdenkt man diese und erzählt sich vielleicht selbst die Geschichte zu Ende, entstehen dann nicht gleich mehrere, wunderschöne Pointen, die den Film großartig machen? Vielleicht wird hier ja mehr als eine schöne Geschichte erzählt. Eine Geschichte nur auf eine Art enden zu lassen, kann auch eine Beschränkung sein.
Vielleicht kein Film zum Zurücklehnen und Abschalten. Aber dennoch ein kleines Meisterwerk.