Jarmusch entwirft hier ein Portrait, das seinem Hauptdarsteller Bill Murray geradezu auf den Leib geschneidert sein könnte. Wie schon in "Lost in Translation" geht der Schauspieler perfekt in der Rolle des nach einem leidenschaftlichen Leben vereinsamenden Junggesellens auf. Der Charakter Don Johnsons wurde so authentisch wie originell entworfen. Einzelne, bewegungslose Einstellungen des Protagonisten vor einem Glas Champagner vermögen dabei mehr zu sagen als quirlige Dialoge. Die Szenen scheinen direkt aus dem Leben geschnitten zu sein und portraitieren das, was jeder kennt: Die Umwelt scheint sich einem zu entziehen, ja gar vollkommen zu verweigern. Aber immerhin hat Johnson ja seinen eifrigen Nachbarn (Jeffrey Wright), der genügend komische Elemente mit ins Geschehen einbringt, um das Drama nicht allzu düster wirken zu lassen. Der Roadmovie-Part der Produktion stellt im Folgenden gleichermaßen eine Reise durch die Vergangenheit des Gigolos dar, wie er eine Journey der Selbstfindung des Midlife-Crislers ist. Die Frauen, die Johnson aus seiner Vergangenheit in die Gegenwart holt, stammen allesamt aus dem Bilderbuch. Hier wird kein Klischee ausgelassen, so dass auch subtile wie skurrile Komik nicht ausbleibt. Die Besetzung der Damenrollen gleicht dabei mit Sharon Stone, Tilda Swinton, Julie Delpy, Chloe Sevigny oder Jessica Lange zudem einem Potpourri erfolgreicher Filmstars, das wirklich zu erfreuen vermag. Dramaturgisch löst sich das unterhaltsame wie sanftmütige Puzzle aus Gestalten der Blütezeit des Protagonisten schließlich sehr raffiniert und vor allem subtil auf. Aber sehen sie selbst ... Fazit: Umwerfend komisch, einfallsreich wie sensibel inszenierter Roadmovie.
Moviemans Kommentar zur DVD: Optisch stört hauptsächlich das häufig vorkommende Rauschen. Auch die Kontraste könnten einen Tick besser sein. Das Tonmaterial bietet kaum kraftvolle Effekte, auch wenn Raumeindruck und Sprache in beiden Tonfassungen harmonisch ausfallen. Die Extras bleiben bei all dem sehr dünn bestückt.
Bild: Das Farbspektrum des Bildmaterials der Disc erstreckt sich breit über sanfte Nuancen bis hin zu kraftvollen, bunten Tönen. Wirklich mehr als kräftige Farben bleiben aber selbst im Sonnenlicht aus (Häuser, 00:23:41). Das Kontrastspektrum ergibt sich leider nicht allzu breit aufgefächert. Dunkle Farbflächen weisen nicht immer Details wie Falten in der Kleidung bei 00:09:07, dem Jogginganzug, auf. Häufig machen sich sogar Überbelichtungen bemerkbar, die aber durchaus stimmungsvoller Natur sind (Sonnenflecken im Garten, 00:03:45). Rauschen kann oft auf Himmelsflächen (00:23:45), weißen Wänden (Haus, 00:23:56) oder auch leicht auf Körpern (Beine, 00:29:39) verzeichnet werden, an deren Rändern zudem hin und wieder minimale Treppchenbildungen entstehen. Ansonsten arbeitet die Kompression stabil. Schärfetechnisch finden sich zwar schöne Ansichten, es könnte aber auch ein wenig mehr drin sein. Selbst im Sonnenlicht lassen sich zwar Gesichtsfalten gut erkennen, feinere Härchen aber bleiben unsichtbar. In Totalen ist die Schärfe sogar nur noch gerade befriedigend, Detailaufnahmen bieten allenfalls noch gute Auflösungen (Speiseteller, 00:50:49).
Ton: Im Vergleich zur Synchronfassung beinhaltet das Original sprachlich ein klein wenig mehr Hall, der etwas mehr Räumlichkeit abbildet. Generell aber lassen sich sonst keinerlei Unterschiede zwischen deutscher und Originalfassung ausmachen. Ganz im Gegenteil gestalten sich beide Ton-Versionen auch in punkto Räumlichkeit und Effektauslastung gleichwertig ausgestattet. Räumlichkeit vermittelt sich harmonisch (von rechts heranfahrendes Auto, 00:37:37), Naturgeräusche, wie Vogelgezwitscher oder spielende Kinder bringen auch subtile, untermalende Schwingungen mit ein. Einzig deftig schallende Effekte bleiben aus und wären zugegebenermaßen auch recht überflüssig. Insgesamt fällt auf, dass die hinteren Boxen nicht gerade übermäßig häufig an der Kulissengestaltung beteiligt sind (Autoverkehr, 01:09:03).
Extras: Vom Bonusmaterial hätte man mehr erwarten können. Ein paar Outtakes gibt es von den Mädels im Bus (1:41 Min.), die aber leider nicht untertitelt sind. Zwei "Behind the Scenes-Featurettes" beschäftigen sich mit dem Treiben hinter der Kamera. Im untertitelten "Start to Finish" (7:39 Min.) sieht man mehr Filmklappen als Aufnahmen oder Proben, wohingegen das schwarzweiße "Farmhouse"-Material (4:18 Min.) immerhin mit Kommentaren von Regisseur Jim Jarmusch ausgestattet ist. Es folgen noch englische Kinotrailer: US-Kinotrailer (2:00 Min.), internationaler Trailer (1:21 Min.) und untertitelter englischer Kinotrailer (2:04 Min.) sowie der deutsche Kinotrailer (1:58 Min.) und sechs Programmtipps. Schade, dass nicht mehr drin ist, man hätte gerne weitere Infos zu Produktion und Schauspielern erhalten. --movieman.de