Über diesen Film ist ja schon so viel geschrieben, diskutiert und geschimpft worden, ich möchte hier auch kurz meine Meinung zu einigen Punkten kundtun, wenn es genehm ist!
DER HYPE:
Normalerweise habe ich so einige Berührungsängste, betreffend Filme, die im vornherein bis zum geht nicht mehr gehypt werden, zu oft habe ich in der Vergangenheit ernüchternd festgestellt, dass meistens zu viel versprochen und die hochgeschraubten Erwartungen keinesfalls befriedigt wurden. Nicht so in diesem Fall, dieser Film hat jede Aufmerksamkeit, Goldmännchen und Ehre verdient, schließlich kommt es ja auch nicht alle Tage vor, dass man eine Art - Aufbruch im Kino - erlebt. So war das in diesem Fall, finde ich.
DIE STORY:
Ist ja wohl allseits bekannt. Ich kenne auch die Kurzgeschichte von der US-Schriftstellerin ANNIE PROULX und finde dass die Drehbuchautoren diese, wenn auch nicht 100% Originalgetreu, aber doch fabelhaft adaptiert haben.
In dieser Short Story wird z.B. noch näher darauf eingegangen, warum Ennis und Jack ein derart widersprüchliches Begehren und Verhalten an den Tag legen, eine Vorgeschichte quasi, in Form von traumatischen Erlebnissen aus ihrer Kindheit.
DIE SCHAUSPIELER:
Wäre die Konkurrenz im Jahr 2005 nicht so stark gewesen (obwohl ich ein großer Philip Seymour Hoffman-Fan bin), wäre der Oscar vermutlich und auch wohl verdient an HEATH LEDGER gegangen, da bin ich mir sicher.
Genial, wie er Ennis del Mar verkörpert, ohne eigentlich viel zu sagen spielt er einen kaputten Typen, dem der Grund seinen Dasein abhanden gekommen ist. Er verschließt sich seiner großen Liebe Jack Twist, lebt freudlos vor sich hin, unfähig Entscheidungen zu treffen (besonders auffallend in der Tatsache, dass er ständig pleite ist und Jacks verlockenden Vorschlag, eine eigene Ranch zu bewirten, nicht nachkommt, obwohl dass ja erst recht ein Grund sein sollte, aus seiner finanziellen Misere rauszukommen). Ennis lebt Angsterfüllt, bis es zu spät ist und er Jack für immer verliert. Ist das nicht tragisch, wie er (in der Schlußszene) erkennt, was er sich und seinem Freund durch den doppelten Liebesentzug angetan hat? Ein innerlich zerbrochener Mann, der seiner Zeit nachtrauert.
Interessant und verstörend ist aber auch die Tatsache, dass man eigentlich auch Ennis Verhalten etwas nachvollziehen kann, wer nämlich seine Gefühle in einer intoleranten und selbstgerechten Gesellschaft offen zeigt, wird grausam bestraft (wie im Falle Jack). Dieser Jack Twist (genial gespielt von JAKE GYLLENHAAL) ist eher der Draufgängertyp, der seinen Mund aufmacht und bereit ist, die Dinge an- und auszusprechen. Er kämpft um seine Liebe, also eigentlich das genaue Gegenteil eines mutlosen und wortkargen Ennis del Mar.
Die Beiden Schauspieler haben das wirklich menschennah und sehr sensibel hingekriegt, ganz gross.
MICHELLE WILLIAMS und ANNE HATHAWAY (auch toll in Rachel Getting Married) spielen ebenfalls superb.
Was bleibt ist ein fantastisches, tragisches und von ANG LEE kongenial inszeniertes Meisterwerk, der einen zum Nachdenken bringt und (das finde ich überraschend) obwohl so leise, doch so laut nachklingt. Die Handlung steckt voller Details, man entdeckt beim wiederholtem anschauen immer mal neue Aspekte, man muss nur genau hingucken und zuhören. So muss Kino sein!
Und was bleibt noch zum Schluß?
Die erste Postkarte mit dem Bergrücken-Motiv, ein ausgebleichtes kariertes Flanellhemd im Ennis Schrank und Tränen in den Augen.
Wie es oben steht: das Sinnbild einer sinnlos gewordenen Zärtlichkeit.