Nach dem für viele Fans "A"-Schock, das eigentlich ungeplante Tullalbum ohne akustische Instrumente, gelangen Jethro Tull 1982 mit Broadsword and the Beast der Sprung in die 80er. Der beliebte und gewohnte Tullstil mit den vielen Folkelementen wurde in ein Gewand mit dem Synthesizer gesteckt. Diese Gratwanderung ist Jethro Tull bei diesem Album gut gelungen, auch weil die Betonung auf die "neue Moderne" nicht gar zu sehr übertrieben wurde. Ian Anderson's Instinkt war damals sehr zielsicher und hat die richtige Mischung gefunden. Als er bei der nächsten Platte zwei Jahre später einiges an Verantwortung an Peter Vettese abtrat, ging das prompt in die Hose. Bei den anderen Remastered-Alben von Jethro Tull hatte ich immer den Eindruck, dass die Bonustracks nie so wirklich auf das ursprüngliche Album gepasst haben --- hier ist das anders. Jethro Tull hätten ein Doppelalbum veröffentlichen sollen. Die Qualität aller Songs ist gleichbleibend hoch. Aber auch hier gibt es richtige Highlights. Die düsteren und sehr getragenen Beastie und Broadsword, die federleichten Clasp und Pussy Willow sowie die mit viel Mandolineinfluss aufgenommenen Falling on Hard Times und Jack Frost and the Hooded Crow. Pussy Willow war der letzte Radiohit von Jethro Tull in Deutschland, tja ... lang ist's her. Und wer erinnert sich nicht an Rock Pop in Concert, wo Jethro Tull eben dieses Album in der Dortmunder Westfalenhalle live präsentierten?! Gibt's das eigentlich irgendwo auf DVD???? Die Zusammensetzung der Band bestand 1982 aus dem Tullkern Ian Anderson, Martin Barre, Dave Pegg sowie Gerry Conway an den Drums, den verschiedene Rockbands gerne rekrutieren und dem eigentlich begnadeten Keyboarder Peter Vettese, wenn er denn nicht an den Arrangements mitkomponiert (wie leider auf Under Wraps). Ian hatte für mich auf Broadsword das größte Stimmvolumen in seiner langen Sangeskarriere. Bitte nicht falsch verstehen, ich denke, er hat auch heute noch einen einzigartigen Ausdruck in seinem Gesang und er versucht ja auch nicht, seine Schwächen, die er mit höheren Noten hat, zu kaschieren. Es gibt lediglich ein paar charmante Änderungen in den Arrangements! Broadsword and the Beast war für mich das letzte Album, wo Ian noch mit vollem Stimmumfang singt (Under Wraps zählt für mich nicht, mit der Platte hat er seine Stimme versaut). Martin spielt wie immer vielfältig und solide und ist neben Dave die Konstante in der Band. Was man auch wissen sollte, ist, dass Broadsword and the Beast in Deutschland Jethro Tull's erfolgreichstes Album im Erscheinungsjahr ist -- bis heute. Also kaufen, rein in den Player, genießen und ein wenig in Nostalgie schwelgen.