Haben Sie das Zeug zum Schwerdenker, legen Sie Wert auf Wissen, das Sie vielleicht niemals benötigen, reizt Sie ein enzyklopädischer Crashkurs? Und haben Sie's nicht so recht mit Suchmaschinen wie Yahoo! und Google? Dann sind Sie bei A.J. Jacobs humorvoller Odyssee durch das wohl berühmteste Nachschlagwerk der Welt goldrichtig.
Jacobs, von Berufs wegen Redakteur beim "Esquire" bzw. umtriebiger Artikelschreiber für "The New Yorker" u.a. Magazine, stellte sich freiwillig der Mammutaufgabe, die "Encyclopaedia Britannica" von "A-ak" bis "Zywiec" durchzuackern. Er schaffte die 32 je 2 kg schweren Bände und 33.000 Seiten in einem Jahr. Da die thematischen Sprünge zwischen den Eintragungen mitunter sehr groß sind, litt Jacobs bald an einem (O-Ton) "geistigen Schleudertrauma". Geschadet hat's ihm nicht. Was er in "Britannica & ich" Revue passieren lässt, liest sich flott und führt zu Permaschmunzeln (ein Wort, das auch einen Eintrag wert wäre ;-)). Genies wie George Bernard Shaw oder der Physiker Richard Feynman lasen sich ebenfalls von A bis Z durch die "Britannica". A.J. Jacobs ist somit in bester Gesellschaft.
Nun aber zum Kern der Sache. Wussten Sie z.B., dass die etruskische Schrift nach dem Boustrophedon-Muster verläuft? Dass die Popgruppe Eurythmics ihren Bandnamen von einer bei den Anthroposophen gepflegten Bewegungsart entliehen hat? Dass Aristoteles in Sachen Genetik ein Anhänger der Telegonie, und Pythagoras "einer der schrulligsten Männer" (Jacobs) war? Dass im alten Schottland unverheiratete Paare zwar im selben Bett schlafen durften, aber in getrennte Schlafsäcke eingenäht wurden (was dann bundling hieß)? Dass es im selben Land das Amt eines Abbot of Unreason (Abt der Unvernunft) gab? Nein? Dann sind Sie reif für A.J. Jacobs Lesereise.
Schottland scheint überhaupt ein guter Boden für die "Britannica" zu sein. Sie erschien zum ersten Mal 1768 in Edinburgh, dreibändig, produziert von einem obskuren Schriftsetzer, einem trinkfesten Herausgeber und dessen 1,35 m großen Kompagnon. 1913 steuerten dann schon schillernde Persönlichkeiten wie Harry Houdini, Sigmund Freud und Albert Einstein ihre Artikel bei.
Wenn Ihnen selbst daran gelegen ist, Eingang in diese hehre Enzyklopädie zu finden, hat A.J. Jacobs u.a. folgende Tipps zur Hand:
"- Lassen Sie sich enthaupten. Das ist der wahrscheinlich schnellste Weg zu einem Eintrag.
- Erforschen Sie die Arktis. Je verhängnisvoller der Ausgang Ihrer Expedition, desto besser.
- Schreiben Sie Gedichte. Surrealistische und russische Poeten werden besonders gern genommen.
- Lassen Sie sich kastrieren (nur für Herren). Wenn Sie es wirklich zu etwas bringen wollen, kann es nicht schaden, wenn das Wörtchen 'Eunuch' in Ihrem Lebenslauf auftaucht.
- Werden Sie Geliebte eines Monarchen (nur für Damen). Das scheint mir eine ebenso angenehme wie schmerzlose Methode zu sein, Eingang zu finden."
Fast hätt' ich's vergessen. War Ihnen bekannt, dass der berühmte Afrikaforscher Livingstone an Hämorrhoiden starb? Ein Exitus, der vielleicht nur die reizende Charlotte Roche interessiert ;-)