Es mutet schon etwas absurd an, wenn man sich anschaut, was so alles aus dem leckgeschlagenen Fass mit dem Namen "Fear Factory" tropft.
Die irgendwie alle ein wenig nach der Hauptband klingenden Nebenbaustellen der zerstrittenen Mitglieder fokussieren sich aktuell in drei Projekten, die allesamt innerhalb der letzten zwei Monate ihre Alben veröffentlicht haben: "Arkaea", die Band zu der Herrera und Wolbers ihre Songs fürs nächste "Fear Factory" Album mitnahmen; "City Of Fire", das sehr melodische Nebenprojekt von Bell und Stroud.
Und natürlich das älteste Projekt: "Divine Heresy", die Baustelle von Cazares, dem stildefinierenden Gitarristen Fear Factorys.
Deren zweites Album liegt nun hier vor uns. Seit dem amtlichen Erstling "Bleed the Fifth" ist Sänger Tommy nach einigen Querelen ausgestiegen und durch Travis Neal von "The Bereaved" ersetzt worden.
Die drängendsten Fragen sind also, ob das mächtige Niveau des Erstlings gehalten werden kann und ob Neal es schafft, die Godzilla-Fußstapfen von Tommy auszufüllen.
Die Basis ist dabei routiniert wie eh und je, wo Cazares draufsteht, ist Cazares drin.
Der massige Gitarrist synkopiert sich fröhlich wie immer durch seine brachialen Stakkatoriffs. Irgendwo zwischen Stumpf ist Trumpf und angenehm technischer Aura bekommt er aber eben auch nach wie vor diese einfach nur mitreißenden Rhythmen und grandiosen Nackenbrecher hin, die das "Schon wieder?" im Kopf bald verjagen und nur noch ein "Hell Yeah!" hinterlassen.
Allerdings braucht das diesmal etwas länger, denn aus irgendeinem Grunde brauchen die an sich simplen Songs diesmal ein wenig um richtig zu knallen. Dann aber richtig.
Daran hat auch Tim Yeung wieder gewaltigen Anteil. Was dieser Typ an punktgenauen Double Bass Patterns und Blastbeats in die Fell trümmert ist einfach jenseits von Gut und Böse. Zwar folgt er mit seinen Patterns fast sklavisch Cazares' Riffs, doch gerade das ist es, was den Riffs eine unfassbare Durchschlagskraft gibt.
Der Bass tut sein übriges. So gut hörbar wie im Intro von "Facebreaker" aber leider nur selten. Da könnte gern mehr kommen.
Die drei Instrumentalrecken treten das Gaspedal mit beschriebener Rezeptur nun im Wesentlichen von der ersten bis zur letzten Note des Albums bis aufs Blech.
Immer wieder werden die Brachialgrooves dabei mit breitwandigen Melodien aufgelockert.
Hier fällt besonders auf, dass die Schlagseite zum Death Metal diesmal deutlicher ist, als noch auf "Bleed the Fifth". Die Melodien und auch einige Riffs wirken rockiger, erdiger.
Willkommene Abwechslung wie die straighte Melodic Death Metal Melodie in "Letter To Mother" hätte es dennoch gern öfter geben können. Denn auch wenn die "Fear Factory"-Remineszenz diesmal durch den höheren Death Metal Anteil etwas geringer ausfällt, fehlt doch gerade bei den ersten Durchläufen die Abwechslung.
Was auf dem ersten Album noch Sänger Tommy mit seinen punktgenauen Ohrwurmgesangseinlagen ausbügelte, daran hat Neal einiges zu knabbern. Seine Shouts sind aggressiv und voluminös, da steht er seinem Vorgänger in nichts nach.
Doch was den Gesang angeht, muss er klar zurückstecken. Er ist zwar weit davon entfernt, schlecht zu sein, doch seine Linien lassen die Kraft und die Memorabilität des Erstwerks vermissen. Die gesanglichen Höhepunkte "Facebreaker" und "Redefine" stehen etwas zu allein da. Die Halbballade "Darkness Embedded" kann das leidliche Fehlen gesanglicher Glanzpunkte kaum ausgleichen.
Aber wie gesagt, schlecht macht der Kerl seinen Job nicht und wenn sein Gesang auch kleinere Abzüge in der Abwechslung und Eingängigkeit der Scheibe mit sich bringt, passen seine dynamischen Shouts und Growls immerhin wie die Faust aufs berühmte Auge und den ein oder anderen Ohrwurm hält das Liedwerk auch ohne allzu viele Gesangsohrwürmer bereit.
Eines ist also letztendlich klar: An das erste Album kommt "Bringer of Plagues" nicht ganz heran. Es fehlen die ganz großen Momente. Dafür entschädigt jedoch die schnürtighte Mixtur. Das Album braucht etwas Anlauf, springt einem dann allerdings aus vollem Lauf in die Fresse wie es einfach nur Cazares and Friends fabrizieren können.
Fans von seiner Beleibtheit und/oder "Fear Factory" sollten zuschlagen, Freunde modernen Metals können nichts falsch machen und auch alle anderen können dem ganzen ein Ohr schenken, denn das hier hat auch für den gestandenen Death Metaller noch genügend Eier.