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Ray Bradbury wurde vor allem durch seine meisterhafte Dystopie „Fahrenheit 451“ zum Weltstar der Literatur. Er versuchte sich auch an Kriminalromanen. Leider ist „Bringen wir Constance um!“ allenfalls durchschnittlich. Die Erzählweise mag dem einen oder anderen durchaus liegen, doch wer nicht bereits auf den allerersten Seiten Zugang findet zum sprunghaften, rätselhaften Stil dieses Romans, der wird ihn die ganze Erzählung lang nicht finden. Die einzelnen Abschnitte – es sind insgesamt 47 Kapitel bei nur 204 Seiten – wirken oft fahrig und undurchschaubar. Die Dialoge erscheinen stellenweise unmotiviert, unentschlossen und zusammenhangslos, es ist schwer, einen echten Handlungsverlauf auszumachen.
Bei vielen Sätzen tappt der Leser ganz einfach im Dunkeln, was nun gemeint sein könnte und ob er irgendwelche Anspielungen übersehen hat. Vor allem hat der Roman keinen wirklichen roten Faden, den man bei einem Krimi durchaus erwarten darf. Zwar eilen der Ich-Erzähler und sein Freund, der Privatdetektiv Elmo Crumley, anhand von Hinweisen von einem Schauplatz des Geschehens zum nächsten - später kommen noch weitere Freunde des Erzählers ins Spiel -, es geschieht im Grunde genommen aber überhaupt nichts. Es gibt keinen Spannungsbogen und keine echten Highlights, vor allem aber befindet man sich zunächst ständig in Unklarheit darüber, um was es eigentlich gerade geht – ist tatsächlich schon jemand gestorben? Befindet sich jemand in Todesgefahr? Dieses geheimnisvolle Spiel mit dem Leser könnte reizvoll sein, wirkt bei „Bringen wir Constance um!“ jedoch entnervend.
Zugute halten muss man Bradbury seinen kreativen und oftmals gelungen-komischen Umgang mit der Sprache. Die sehr bildhaften, originellen Beschreibungen und Wortschöpfungen sind auf jeden Fall ein Pluspunkt, können die Geschichte jedoch letztendlich nicht retten. „Bringen wir Constance um!“ soll eine Verbeugung vor dem goldenen Zeitalter Hollywoods und seinen großen Stars sein, man braucht aber wohl echte Kenntnisse der damaligen Zeit, um sich darüber zu amüsieren. Die exzentrischen Charaktere sind zwar vom Autor liebevoll gestaltet und skurril genug, um interessant zu sein, sie finden jedoch keinen echten Zugang zum Leser – oder der Leser zu ihnen. Es ist kein leichtes Buch, das wohl entweder auf Anhieb gefällt oder völlig missfällt und das oft befremdlich wirkt.
Leider reichte es bei diesem Roman bei mir nur zum recht lustlosen und unmotivierten Lesen – die 204 Seiten lesen sich auch aufgrund der zahlreichen, sehr kurzen Kapitel rasch -, ich hatte allein schon durch den Namen „Bradbury“ weitaus mehr erwartet. Für Liebhaber alter Hollywood-Streifen und skurriler Krimis lohnt sich ein Blick in dieses Buch unter Umständen, da es Bradbury gelingt, zumindest die Atmosphäre der letzten goldenen Tage Hollywoods in einer Art düsteren Persiflage heraufzubeschwören. In jedem Fall – unabhängig von der Qualität des Romans – ist der Preis von 14,90 Euro für ein Softcover-Buch von gut 200 Seiten einfach viel zu hoch.
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