Zuerst einmal: Ich habe lange keine Rezension mehr gelesen, die mir so gut gefallen hat wie die meines Namensvetters vom "Stern" - dachte ich jedenfalls, aber die drei letzten Sätze seiner Rezension sind meiner Meinung nach wirklich das Letzte! Es gibt halt ein paar Männer, die eine stark ausgeprägte gefühlvolle und romantische Ader haben und sich nicht schämen, diese zu zeigen. Zu dieser Art von Mann gehört jedenfalls Ronan Keating, jedenfalls wenn er zu zehn Prozent hinter dem steht, was er auf diesem Album zu sagen hat.
"Bring You Home" (2006) ist wieder ein äußerst romantisches Album geworden, mit den irischen Musikeinflüssen, die man in einigen Liedern deutlich an den Streichern heraushört. Vielleicht ist "Bring You Home" sogar Ronans romantischstes Werk. Es gibt allerdings keine wirklichen Innovationen, seine Musik ist größtenteils wie gehabt, weswegen mir wohl auch erst beim vierten Wiederhören aufgefallen ist, dass zwischen "All Over Again" und "Iris", zwei Songs die aufeinander folgen, ein melodischer Zusammenhang besteht. "Iris" ist auch ein für Ronan Keatings Maßstäbe ungewohnt düsteres Lied, zumindest was den Text anbelangt. Er ist ja noch relativ jung im Vergleich zu einigen anderen Musikern, vielleicht könnte er sich ja in die "Iris"-Richtung weiterentwickeln, dann würde er sich nach einer Mischung aus Chris de Burgh (sein irisches Alter-Ego für reifere Menschen), George Michael und Coldplay anhören. Ein weiteres anhörungswürdiges Lied ist sicherlich "Superman", das eine wunderschöne Liebeserklärung an die Unvollkommenheit des Menschen an sich darstellt. Die melancholischen Lieder mit irischen Einflüssen wechseln sich gut gemixt mit den anderen Songs ab, die eher von Elektro-Gitarren dominierte Disco-Nummern sind.
"Bring You Home" kommt nicht ganz an Ronan Keatings Erstlingswerk "Ronan" heran, besteht den Test gegen "Destination" und vor allem "Turn It On" aber sehr gut. Eine Frage, die mich beim Lesen des Albumtitels ein wenig beschäftigt: Wo ist ein Mensch eigentlich zu Hause?
Zu Tobias Schmitz Rezension: Ich mag Katzen sehr gerne, und gegen Schmusetierchen oder Männer die eine Ähnlichkeit mit ihnen aufweisen, habe ich ebenfalls nichts einzuwenden. Wahlweise auch gefühlvolle irische Männer, die vor dem Menschen, den sie lieben, niederknien und ihn romantisch umwerben. Für das WC eignet sich diese Musik kaum, außer vielleicht wenn man für eine Zeitschrift arbeitet, die im Grunde genommen davon lebt, Bilder von Soldaten zu zeigen, denen eine Handgranate die Arme weggefetzt hat...