Wenn man diese CD hört, weiß man, warum John Hiatts Songs so oft nachgespielt und von anderen Interpreten bekannt gemacht werden. Unklar bleibt, warum Hiatts eigene Interpretationen relativ unbekannt bleiben -- Hiatt ist ein begnadeter Songwriter, der partout in keine Schublade passen will, und der regelmäßig mit jedem neuen Album die bisherige (hierzulande ohnehin recht kleine) Fangemeinde ratlos macht, weil er sich eben auf keinen Stil festnageln lässt. Konstant von Album zu Album bleiben jedoch Vielseitigkeit und Virtuosität -- und eine Blues-taugliche unprätentiöse Stimme.
"Bring the Family" ist geprägt von Bluesballaden und schnörkellosem Rock und Folk, gelegentlich auch ungehobeltem Country ohne Western-Seligkeit. Die Melodien stehen klar im Vordergrund, die Instrumentierung ist eher zurückhaltend. Aber auch Zurückhaltung will gekonnt sein, und hier ist sie's.
Ein Highlight bleibt auch nach vielen Durchläufen "Have a Little Faith". Hiatts Gesang ist zwar kein Naturereignis wie der von Joe Cocker, aber durch die zurückhaltende Pianobegleitung entsteht hier eine ganz eigene Atmosphäre, die unter die Haut geht. Andere Tipps zum Reinhören: "Memphis in the Meantime", das an die besten Zeiten von J.J. Cale erinnert; oder "Alone in the Dark", ein gediegener tiefschwarzer Blues. Oder "Lipstick Sunset", eine melancholische, wunderbar spröde Ballade, oder auch "Your Dad Did", eine eingängige Rock-Nummer mit viel Drive. Und zum Schluss das wunderschöne "Learning How to Love You", dem man bei jedem Ton anhört, wie den vier Vollblut-Musikern Hiatt, Cooder, Keltner, Lowe das Zusammenspiel Spaß gemacht hat.
Ein vielseitiges Album ohne Schwachstellen, das schnörkellos rüberkommt und doch bei aller Zurückhaltung mit musikalischen Finessen nicht geizt. Dafür sorgen diesmal nicht zuletzt Hiatts illustre Begleitmusiker: Ry Cooder, Jim Keltner, Nick Lowe...