Zuallererst: die Biographie von Frau von Törne ist durchaus lesenwert. Stationen des Lebens von Brigitte Reimann werden beschrieben, akribisch werden Details zusammengetragen. Die Autorin beleuchtet das Leben Brigitte Reimanns, indem sie das vorhandene Material thematisch sortiert. Dabei bezieht sie sich hauptsächlich auf die veröffentlichten Tagebücher Brigitte Reimanns sowie auf die Briefwechels mit Veralore, Christa Wolf und Hermann Henselmann.
Überzeuen kann das Buch immer dann, wenn Frau v. Törne zusätzliche Quellen auswertet sowie Freunde und Geschwister befragt. Deren Aussagen flicht sie sparsam und vorsichtig in ihr Buch ein. Die Passagen über die Anwerbungsversuche der Staasi lesen sich wie ein Thriller. Da wird die Athmosphäre deutlich, unter der die Schriftsteller der DDR arbeiteten. Sehr interessant zu lesen sind auch die Ausführungen zu den Schriftstellerkongressen und dem 11. Plenum. Ausführlicher als in den Tagebüchern der Reimann erfährt der Leser hier über Entwicklungen in der Kulturpolitik der DDR und wie sich diese Vorgaben auf die Schriftsteller auswirkten.
Ein Manko des Buches sind seine Wiederholungen, die nicht ausbleiben, da die Autorin das Material nach Themen sortiert. Die Passagen in denen Frau von Törne die Liebesbeziehungen B. Reimanns hinterfragt und bilanziert klingen belehrend und moralisierend. Dort wo die Aussagen Brigitte Reimanns im Tagebuch eigentlich für sich sprechen und ihre sprachliche Ausdruckskraft entfalten, schaltet sich Frau Törne jeweils ein, fasst das Gesagte in ihren Worten zusammen und wertet. Das ist überflüssig und ein weiteres Manko der Biographie. Die Tagebücher selbst geben mehr Auskunft über Leben und Lieben der Brigitte Reimann, da braucht es diese Abschnitte in der Biographie von Frau von Törne nicht.
Drei von fünf Sternen, ich habe das Buch trotzdem mit Genuss gelesen. Die Entwicklung der Schriftstellerin Brigitte Reimann wird durch Frau von Törne gut nachgezeichnet, zu der Autorin, die schließlich Franziska Linderhand schrieb, ein Roman der weit über die früheren Arbeiten hinausragt. Die Fotos ergänzen die Biographie wunderbar.