Schon nach den ersten Minuten dieser DVD hatte ich das Gefühl den Film zu kennen und nach einer anschließenden Suche in der heimischen DVD Wand stellte ich fest, dass ich bereits eine Arthouse DVD gleichen Namens mein Eigen nennen konnte, denn Graham Greens gleichnamige Novelle wurde bereits in den 1940er Jahren filmisch umgesetzt. Die damalige Verfilmung gleicht der Interpretation von Rowan Joffe im Detail, auch wenn er seine Adaption in die 60er Jahre vorverlegte. Dies unterstreicht er durch die Benutzung der Kameraequimpments aus genanntem Jahrezehnt, was sich im nachhinein als geschickter Schachzug herausstellt. "Brighton Rock" wirkt in seiner Ästhetik tatsächlich wie ein BBC Film aus den späten 1960er Jahren. Typisch britisch, mit allem was dazu gehört.
Pinky Brown ist ein Kleinganove, ein entschlossener Botengänger und Wettgeldeintreiber einer der beiden Gangs in Brighton. Nachdem der Chef seiner Bande Kite ermordet wird, ermordet er wiederum Hale, den Killer seines Ziehvaters, welcher für den Colleoni Clan arbeitete. Und damit beginnt Pinkys Problem, denn kurz vor dem Rachemord entstand ein Foto, welches dem nun ehrgeizig nach der Banden - Krone greifenden Pinky zum Verhängnis werden könnte. Rose, eine schüchterne und zurückgezogen lebende Kellnerin eines Teehauses gehört dieses Foto, noch weiss sie allerdings nicht, welch belastenden Beweis sie ihr eigen nennt. Pinky weiss dies allerdings schon und beginnt um die Gunst der Frau zu buhlen um schließlich an das Foto zu gelangen. Rose verliebt sich unsterblich in den fiesen und großkotzigen und niemals lächelnden Pinky, der ihr wiederum die große Liebe vorspielt, um aus der potentiellen Schusslinie der Verfolgungsbehörden zu gelangen und um an seiner Übernahme des Clans zu arbeiten. Die Rechnung macht er jedoch ohne Ida, der Besitzerin des Teehauses in dem Rose arbeitet, die nicht nur mütterliche Gefühle für Rose empfindet, sondern auch mit Hale befreundet war und versucht, die Identität des Mörders heraus zu finden. Nicht genug, auch der Colleoni Clan versucht seinerseits den Mörder zur Strecke zu bringen.
Irgendwo habe ich gelesen, "Brighton Rock" sei ein Liebesfilm, der keiner ist und das kann ich vollkommen unterschreiben. Denn die Liebe ist nur einseitig, sie schmerzt und ist stellenweise kaum zu ertragen. Rose liebt Pinky bis zur Selbstaufgabe und sie will um jeden Preis die eiskalte Berechnung, die hinter Pinkys angeblicher Erwiederung ihrer Gefühle steht, nicht erkennen, was es ihm einfach macht sie zu manipulieren, sie sogar zu heiraten um das gemeinsame Geheimnis zu schützen. Währenddessen tobt auf den Strassen Brightons der Krieg zwischen Mods und Rockern....
"Brighton Rock" ist ein sehenswerter Film, eine langsam erzählte Geschichte über Macht und Liebe mit grandios spielenden Schauspielern. Sam Riley und Andrea Riseborough übertreffen sich gegenseitig und auch die zahlreichen namenhaften "Nebendarsteller", wie Helen Mirren, John Hurt, Andy Serkis und Steve Evets überzeugen auf ganzer Linie. Dieser englische Import unterstreicht für mich erneut, dass Sam Riley Orginalstimme, mit diesem Akzent den ich so liebe, in "Control" wie auch in "Brighton Rock", weit besser klingt als seine deutsche Synchronstimme, ihn in seiner Rolle weit glaubhafter und nachvollziebarer macht.
Für fünf Sterne langt der Film jedoch nicht, denn die religiösen Symboliken die in diesem Streifen transportiert werden, strapazieren meine Nerven dann doch hin und wieder gewaltig. Auch wenn dieses Stilmittel schlußendlich Sinn zu machen scheint, gefällt mir die differente Sichtweise auf die beiden Hauptakteure, auf der einen Seite "die Heilige", die gläubige Katholikin die an den Himmel als Erlösung nach dem Tod glaubt und in reinem weiss ihres Kleides um die Gunst des Angebeteten kämpft und auf der anderen Seite der "gefallene Engel", dessen Bestimmung die Hölle sein soll, mal so überhaupt nicht. Für meinen Geschmack alles ein bißchen zu dick aufgetragen. Das Ende mag ich allerdings sehr, denn für Rose scheint das Leben beendet, allerdings kann sie dabei wenigstens an den Glauben an die gegenseitige tiefe Liebe festhalten, auch wenn das etwas kitschig klingen mag. Auch wenn sie das Opfer bleibt, weiss sie wenigstens nichts oder zumindest nicht alles über die mögliche eigene Bestimmung....und das ist gut so.
Diese Rezension bezieht sich alleinig auf den Film und den englischen Import, da zu jetzigem Zeitpunkt noch kein Urteil über die deutsche Fassung gefällt werden kann.