wer nun den titel liest, könnte meinen, auch die crash-liason zwischen enfant terrible(ment pété)
pete doherty und laufstegschwalbe kate moss wäre im derzeit vorherrschenden bio-pic-wahn verfilmt worden. und läge damit vielleicht gar nicht mal soweit daneben. sex gibt es. immerhin ein geschwängertes dienstmädchen und die frage, ob man sich denn nicht doch endlich zu bett begeben möge, um sich erleichterung zu verschaffen. drogen gibt es, schließlich weiß der protagonist nicht umsonst, wie es sich anfühlt, "as though of hemlock i had drunk". nur rock'n roll war noch nicht so recht geplant. wie auch, immerhin nähert sich der film "bright star" der entdeckung der romantischen idee, bevor uns
joe wright weismachen wollte, dass das seinerzeit schon aussah, wie heute im valentinskartenabteil von hollywood.
"a poem needs understanding through the senses."
sagt da der professionelle dichter seiner sich weigerlich anbahnenden holden in einer grundsatzlehrstunde über seinen berufsstand und dessen produkte.
zeigt da die regisseurin, die sich selbst als ehemalige poesie-faschistin bezeichnet (beste zugangsvoraussetzung für dies unterfangen), in ihrem produkt, dass durchweg in bilder und synästhetische stimmungen getaucht ist, wie sie heller, schwebender und ätherischer kaum sein könnten. und doch. rüschen gibt es in diesem film nur an den modeschöpfungen der protagonistin.
"so sore, i believe, one could die of it."
wenn die kritiker meinten, diese bilder wären fast zu schön, um erträglich sein, hat ihre sinnliche wahrnehmung sie nicht getrügt. wenn sie jedoch meinen, diese augenfällige schönheit würde die ernsthaftigkeit in frage stellen, hat ihr sinn sie getäuscht.
die bilder, die ein recht karges, in diesem sinne klassizistisches lebensumfeld der menschen zeigen, sind als gegenpol geschmückt mit einer ganzen bittersüßen galerie von blumen, schmetterlingen, wehenden stoffen und abgeschnittenen fäden, wie sie kaum ein
lexikon von vanitassymbolen faßt. so wird der tod von anfang an zum ständigen begleiter in der wehmütig-lichternen szenerie, ob nun in gestalt der prächtig blauen falter, die nach wenigen sommertagen ihr leben aushauchen oder des stillen jüngeren bruders (thomas sangster) mit der fiedel.
aufgefangen wird der hohe künstlerische anspruch der überirdischen bilder durch die absolut erdverwachsenen, lebendigen, energischen charaktäre und ihre realistische darstellung. der auch optisch so polternde wie empfindliche gönner keats' (ein bombiger paul schneider), mama brawne (kerry fox), dass mütterlichste muttertier, dass je die kostümbefüllte leinwand zierte oder die putzige toots (edie martin, tatsächlich das cutest kid in town) bieten unter anderen gelungenen kurzauftritten genügend gelegenheit für irdische erbaung und einen reichen rahmen für die hauptcharaktäre john keats und fanny brawne.
da sich die merklich noch sehr junge fanny (abbie cornish) eingehend mit der zu unrecht im negativen sinne als oberflächlich verschrienen mode beschäftigt, ist es sicher nur angebracht, ihren charakter und seinen werdegang einmal beispielhaft über ihre kleider (100%ig zum stilvollen grundton des filmes passend von janet patterson geschneidert) zu beleuchten. so trägt sie eingangs eine kreation mit der sie vor allem durch die starke farbigkeit (reines weiß, reines rot, ein wenig reines gelb) in noch recht krasser weise aus ihrem klassisch blau-braun ausgewogenen umfeld hervorsticht. geerdet wird die "lautstärke" des wagemutigen aufzuges durch ihre sprichwörtlich bieder(meierlich)e frisur, die quasi doch einen recht aufgeräumten kopf krönt. auf das kennenlernen von keats und der daraus resultierenden schlagartigen erweiterung ihres horizontes folgen einige entweder zart rosa-farbene kreationen oder sich den "erwachsenen" annähernde erdtonige kleider mit kräftig farbigen oder exotischer kleidung entnommenen, originellen zutaten. wenn keats in trennungsabsicht den ort verläßt und ewig nicht von sich hören läßt, weicht alle farbe aus fannys kleidern. und sie kehrt kehrt, wie auch keats, nur noch verhalten zurück, der rest ist eine modische reise in die dunkelheit bis zu ihrem letzten aufzug, der einem komplett schwarzen witwenkostüm gleicht.
die durch ihr oeuvre hinweg mit stark(en) eigenwilligen heldinnen bestechende regisseurin jane campion (das piano,
sweetie) erhielt eben drum den titel als feministische filmemacherin. schlauer als andere so bezeichnete weiß sie, dass es die position ihrer heldinnen untergraben würde, stellte man ihnen einen weniger starken männlichen charakter (zum verlieben) an die seite. dementsprechend ist nun der mustergültige romantische poet john keats nicht der huldvoll dahinsiechende ästhet, der den kopf längst schon in den wolken verlor und mit den füßen sowieso nie auf der erde stand. er (ben wishaw) ist so selbstlos wie zartfühlend wie albern wie aufbrausend wie bisweilen unfair und schlecht gelaunt.
wenn der respektvolle abstand zu den figuren bei der äusseren ereignisarmut zunächst in der gehemmten emotionalen einbindung des zuschauers mündet, so zieht sich die dramatische schraube doch spätestens mit keats ausbrechender krankheit schleichend, wenn auch so wirkungsvoll zu, dass man meint, man selbst würde während des sehens in eine art korsett gequetscht. am ende dieser schraube steht dann eine luft und kehle entgültig abschnürende szene, die jedoch kaum als erlösend oder gar befreiend bezeichnet werden kann und somit campions ungewohnt unprätentiösen und zugänglichen film mit einem ebenso ungewöhnlich untröstlichen, dunklen ende versieht.
trotzdem die regisseurin ausgerechnet in der allerletzten einstellung um ein ärgerliches fehlgeht und fanny beim aufgesetzt rezitierenden leiden mitten ins gesicht blickt, einen künstlerisch-handwerklich perfekteren film, der zudem eine solche, für "perfekte" filme recht artuntypische emotionale wucht entfaltet, habe ich, wenn überhaupt, lange nicht gesehen.
die extras der SPIEGEL-edition beschränken sich auf ein schon vor kinoveröffentlichung durchs www schwirrendes, kurzes werbe-featurette und ein mehrseiteiges booklet.
fazit: kunstvoll ohne in prätentiösen posen zu erstarren, poetisch, ohne sich in tagträumereien zu verlieren, bodenständig, nicht laut aber sublim.
für dieses kunststück also ein ganzes, komplettes, übervolles, gebrochenes herze.