Das Album "Bright Red" von Laurie Anderson ist exzellent und vollendet. Sind frühere Songs zum Teil noch schrill und experimentell, hat sie in diesem Album die optimale Balance zwischen eigenem Stil, Expressivität, Ruhe, geistigem Anspruch und Hörbarkeit gefunden. Intelligente Rhythmen werden mit eingänglichen Melodien bezogen, gespickt von atmosphärischen Stimmungen. Diese Mischung erweckt unwillkürlich Bilder oder musikalische Landschaften vor dem inneren Auge.
Die einzelnen Stücke sind in sich vollkommen, nie münden sie in stupider Wiederholung, sondern finden über einen subtilen Spannungsbogen ihr Ende stets im rechten Moment. Sind die Songs zwar emotional, dann aber doch nie kitschig oder pathetisch. Wunderbar auch die Stücke, die Laurie Anderson zusammen mit Lou Reed, ihrem jetzigen Lebenspartner, produziert hat. Seine eher spröde Art harmoniert mit ihrer Melodität bestens - dialogisieren sie anfänglich noch, werden sie dann die Stimme ein und derselben Person.
Inhaltlich geht es in Laurie Andersons Geschichten um Liebe, Leben und Tod, eben die grossen Themen - doch plump und klischeelastig sind sie keineswegs. Mit unglaublicher Zartheit spricht sie über das Leben, das noch einmal an ihr vorbeizieht, die alten Geliebten mit ihren neuen Freundinnen, die nur ein unbestimmtes "eeeek" äussern und den Tod ihres Vaters, den sie empfindet wie: "a library, burnt down".
Dieses Album ist Hör-, Fühl- und Denkerlebnis in einem und gehört damit zu den „Klassikern" moderner Musik!