Carl Magnus Palm hat sich im Laufe der Jahre den Ruf DES Abba-Experten schlechthin erschrieben, und so ist es nur konsequent, wenn er nun diese umfangreiche Biographie vorlegt. Und die ist für jeden Abba-Fan Pflichtlektüre und spannender als jeder Krimi. Dadurch, dass das Buch aber weder hysterische Heldenverehrung noch ironische Schlaghosen-Nostalgie betreibt, dürfte es auch für diejenigen interessant sein, die einfach mal etwas mehr über Abba erfahren möchten (ob die nicht vor dem Umfang des Buches zurückschrecken, ist die andere Frage).
Palm hat gründlich recherchiert und bietet Unmengen an Information, was manchmal schon an Faktenhuberei grenzt. Viele Dinge wusste man als Fan natürlich schon vorher, bekommt sie hier aber nochmal detailgenau dargelegt, und bei dieser Fülle an Fakten ist natürlich für jeden noch etwas Neues dabei. Das Buch startet mit den Biographien der vier Abbas sowie ihres Managers Stig Anderson, beschreibt die Vor-Abba-Karrieren der vier Schweden und widmet sich in aller Ausführlichkeit dem schrittweisen Zusammenfinden, dem Aufstieg, den goldenen Jahren und dem allmählichen Zerfall der Gruppe. Schließlich wird in einem vergleichsweise kurzen Schlussteil auf die Zeit nach Abba eingegangen (hochaktuell bis zum Jahr 2001). Aber: das Ziel, den Menschen hinter der Pop-Fassade näherzukommen, erreicht auch Palm nur teilweise. Da erscheinen die hobbypsychologenhaften Aussagen über die Bandmitglieder doch manchmal etwas zu kühn. Aber immerhin sind alle derartigen Schlussfolgerungen durch biographische Details und Originalaussagen der betreffenden Personen begründet, so dass man hier allenfalls einen kleinen Minuspunkt geben kann.
Palm ist mit Erfolg um Neutralität bemüht, lediglich bei den Aussagen über den einen oder anderen Song schimmern persönliche Meinungen durch - z.B. dann, wenn Palm mehrmals darüber schreibt, wie grässlich kitschig doch der Kinderchor in "I Have A Dream" ist... An diesen Stllen kann man als echter Fan und Kenner von Abba natürlich in begeistertes Kopfnicken oder eben auch in fassungsloses Kopfschütteln ausbrechen - das steigert den Unterhaltungswert dieses Buches nocheinmal.
Dem reißerischen Titel wird "Bright Lights, Dark Shadows" - gottseidank - nicht gerecht, denn hier werden keine Skandale oder andere Indiskretionen ausgebreitet. Stattdessen wird versucht, dem Phänomen Abba von verschiedenen Seiten auf die Spur zu kommen. Und dieses Ziel darf als gelungen betrachtet werden.