Kurzbeschreibung
Thomas Mann: von weltläufiger Eleganz, virtuos, extrovertiert und stets auf Repräsentation bedacht; Hermann Hesse: öffentlichkeitsscheu und introvertierter Outsider. Enzyklopädist und Leistungsethiker der eine, Lyriker, Maler und asketischer Moralist der andere. Auf welche Weise diese so unterschiedlichen Charaktere zusammenfanden, ist eines der Themen dieses Briefgesprächs, ein anderes ist ihr voneinander abweichendes, doch höchst aufschlußreiches Verhältnis zur Musik und nicht zuletzt ihr leiden an Deutschland, das Hesse bereits 1912, Thomas Mann 1933 bewogen hat, die Heimat zu verlassen. Die Korrespondenz der beiden Literaturnobelpreisträger erscheint nun in erweiterter Auflage mit neu aufgefundenen Briefen und unbekanntem Bildmaterial. Überdies konnten für den Kommentar erstmals auch die zahlreichen Notate in Thomas Manns Tagebüchern sowie Hesses öffentliche und private Äußerungen über den Kollegen aus seinen Publikationen und Briefen berücksichtigt werden.
Über den Autor
Hermann Hesse, geb. am 2.7.1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen, starb am 9.8.1962 in Montagnola bei Lugano. Er wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur, 1955 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Nach einer Buchhändlerlehre war er seit 1904 freier Schriftsteller, zunächst in Gaienhofen am Bodensee, später im Tessin. Er ist einer der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts.Thomas Mann wurde 1875 in Lübeck geboren und wohnte seit 1894 in München. 1933 verließ er Deutschland und lebte zuerst in der Schweiz am Zürichsee, dann in den Vereinigten Staaten, wo er 1938 eine Professur an der Universität in Princeton annahm. Später hatte er seinen Wohnsitz in Kalifornien, danach wieder in der Schweiz. Er starb in Zürich am 12. August 1955.
Thomas Mann zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Mit ihm erreichte der moderne deutsche Roman den Anschluss an die Weltliteratur. Manns umfangreiches und vielschichtiges Werk hat eine weltweit kaum zu übertreffende positive Resonanz gefunden. Für seinen ersten großen Roman Die Buddenbrooks erhielt er 1929 den Nobelpreis für Literatur.
Auszug
München, den I. IV. 1910
Sehr geehrter Herr Hesse:
Meine zur Zeit recht schlechte Gesundheit ist schuld, daß ich erst heute dazu komme, Ihnen für Ihren freundlichen Brief vom 24. März zu danken, und ich bedauere die Verzögerung umso mehr, als sie in diesem Falle wohl gar zu einem Mißverständnis führen konnte. Ich säume daher heute nicht länger, Ihnen zu sagen, daß Sie mir mit Ihrem Schreiben eine wirkliche Freude bereitet haben und namentlich, daß Sie Ihrer März-Besprechung von »Königliche Hoheit« Unrecht thun, indem Sie sie »nörgelnd« nennen. Das war sie nicht, sondern sie war kritisch und mit Allem was Kritik und Erkenntnis heißt (und ist!) stehe ich auf viel zu freundschaftlichem Fuße, als daß ich etwas Anderes als Interesse und Vergnügen bei der Lektüre hätte empfinden können. Die Besprechung aus den »Propyläen« ist ja gewiß süffiger, sie geht recht glatt durch die Kehle, aber Ihre ist mir lieber und die andere beweist eben nur Ihren Satz, daß zweierlei oder mancherlei Leute bei meinen Sachen auf ihre Kosten ... .
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.