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Pressenotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 23.03.2000
Schon Stefan Zweig hat geschrieben, daß die Briefe Friedrich Nietzsches an seinen Freund Franz Overbeck zur "Entheroisierung" des vermeintlichen Künstlergenies beitrügen. Die neue und erstmals komplette Herausgabe des Briefwechsels zwischen Overbeck und Nietzsche bestätige diesen Eindruck, schreibt Friedrich Wilhelm Graf in seiner Besprechung. Ergänzt um die persönlichen Aufzeichnungen Overbecks zeichneten diese beiden "kenntnisreich eingeleiteten und kundig kommentierten" Neu-Ausgaben ein genaues Bild des akademischen Milieus in Basel gegen Ende des 19. Jahrhunderts.
1) "Friedrich Nietzsche/ Franz und Ida Overbeck: Briefwechsel"
Der Theologe Overbeck war 1871, ein Jahr später als Nietzsche nach Basel gekommen. Sie teilten die wissenschaftliche Vorliebe für die Antike und das Urchristentum und bildeten eine Zeitlang eine Art Forschungs- und Lebensgemeinschaft, aus der Nietzsche 1879 ausbrach. Zeugten die frühen Briefe "in ironischen Sprachspielen und polemischen Pointen" noch vom "Übermut der jungen Gelehrten", schreibt Graf, stilisiere sich Nietzsche nach seinem Ausbruch aus dem Basler Akademiker-Milieu 1879 zunehmend als "gottgleicher Künstler". Overbeck blieb seinem Freund treu, rang aber zunehmend "um analytische Distanz", was ihm, so Graf, auch im verzweifelten Versuch, den Freund mit seinen psychischen Krisen zu verstehen, gelungen ist.
2) Franz Overbeck: "Autobiographisches. Meine Freunde Treitschke, Nietzsche undRohde"
Zeit seines Lebens, auch nach Nietzsches Tod und mit dem sich schnell entwickelnden Kult um den wahnsinnig gewordenen Philosophen, arbeitet sich Franz Overbeck an der komplizierten Freundschaft mit Nietzsche ab. Er überdenkt alte Sichtweisen immer wieder neu, was insbesondere seinen Notaten, schreibt der Rezensent lobend, ihren "offenen, widersprüchlichen Charakter" verleiht . Sie spiegelten die innere Zerrissenenheit Overbecks wider, der auch in theologischen Angelegenheiten zum Skeptiker und antibürgerlichen Intellektuellen wurde und beleuchteten die zunehmend durch die Beziehung zu Nietzsche gestörte Freundschaft mit dem deutschen Historiker Heinrich Treitschke.
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Pressestimmen
"Nietzsches Briefe sind seine Autobiographie: die einer Passion." (DIE ZEIT)
"Der Briefwechsel und Overbecks Aufzeichnungen sind jeweils kenntnisreich eingeleitet und kundig kommentiert. Sie spiegeln das tiefe Leiden antibürgerlicher Intellektueller, die im akademischen Milieu nicht heimisch wurden." (Neue Zürcher Zeitung)
"Beide Bände, editorisch sorgfältig betreut, sind ein herausragende biographisches, psychologisches und wirkungsgeschichtliches Dokument." (DeutschlandRadio)
"Textgestaltung ist vorbildlich. Anmerkungen zum Text, Namen- und Sachregister erschließen den Inhalt des handlichen, preiswerten Bandes bestens." (Germanic Notes and Reviews)
"Der von Katrin Meyer und Barbara von Reibnitz sorgfältig herausgegebene und kenntnisreich kommentierte Briefwechsel zwischen Friedrich Nietzsche und dem Ehepaar Overbeck, der aus der kritischen Gesamtausgabe von Nietzsches Briefwechsel ausgegliedert worden ist, vermittelt in der dadurch ermöglichten Form der direkten Wechselred e einen sehr viel lebhafteren Eindruck dieser Freundschaft als die schleppende Lektüre der gesamten Korrespondenz." (Basler Zeitung)