Neue Zürcher Zeitung
Psychoanalytische Krisenjahre LL. Mit Band III/1, dem insgesamt fünften und vorletzten Band der Gesamtausgabe des Briefwechsels zwischen Sigmund Freud und Sándor Ferenczi, wird nach einer nunmehr siebenjährigen editorischen Latenzzeit, die man nicht als Widerstand wird deuten wollen, die Edition dieser bedeutenden Korrespondenz endlich wieder aufgenommen. Der Band umfasst die Jahre 1920 bis 1924 die Zeit also, in der, unter anderem, Freuds Krebserkrankung diagnostiziert wird, die Tochter Sophie und der Lieblingsenkel, das «Heinele», sterben, Freud mit «Jenseits des Lustprinzips» und «Das Ich und das Es» einen Paradigmenwechsel in der Psychoanalyse vollzieht, Ferenczi therapeutischen Kontakt zu Georg Groddeck sucht, eng mit Otto Rank zusammenarbeitet, beide in Konflikt mit Freuds Paladinen Ernest Jones und Karl Abraham geraten und sich auch schon der spätere Dissens mit Freud selber andeutet, der zwar nie zum Bruch, aber doch zu einer weitgehenden Entfremdung führen wird. An Stoff fehlt es also fürwahr nicht. Judith Dupont hat ihn neben dem informativen editorischen Kommentar mit einer vorzüglichen Einleitung erschlossen. Man sieht mit Beklemmung, wie sich ein Knoten schürzt, der immer unlösbarer wird, ohne dass Freud oder auch Ferenczi zum neuen Alexander würden, die ihn zerhauten. Auf das demnächst hoffentlich ohne weitere sieben Jahre Verzögerung zu beobachtende Finale darf man getrost gespannt sein.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
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Kurzbeschreibung
Dieser Band präsentiert die Korrespondenz zwischen Freud und Ferenczi in den Nachkriegsjahren. Er gibt Zeugnis über ihr Alltagsleben und dessen Sorgen, über persönliche Spannungen innerhalb des "Geheimen Komitees" rund um Freud, aber auch über wissenschaftliche, kreative Aufbrüche, die zu dieser Zeit geboren wurden und die das 20. Jahrhundert grundsätzlich beeinflusst haben. Für den Nicht-Fachmann gibt der Band kulturhistorische und ideengeschichtliche Einblicke in einen sehr spannenden Zeitabschnitt. Der editorische Apparat versucht, sowohl dem Fachpublikum wie dem nicht-spezialisierten Leser jene Auskünfte zu geben, die ihm erlauben, dieser aufregenden Geschichte zu folgen.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
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