Ich habe schon viel von Lou Andreas Salome gelesen, viel ueber Freud - und trotzdem weiss ich erst jetzt, wie sie einander wirkich verbunden waren - naemlich in liebevoll achtsamer und respektvoller Weise. Ihr Briefwechsel ist ein historisch interessantes Dokument: es erzaehlt vom Alltaeglichen ihrer Zeit, von der Entwicklung der Psychoanalyse und beinhaltet so einige Ansichten Freuds, die sich mit der Zeit geaendert haben, sowie einige Verdeutlichungen und Neuansichten Lous, die Freud liebt und kommentiert. Am wichtigsten in diesem Buch war mir jedoch Lous Brief an Freud nach dem Tod Rilkes. Ein wunderschoener, langer Brief einer Frau, die ihr Leben wirklich gelebt hat. In diesem und anderen Briefen finden wir ihre Gedanken, wie in allen ihren Briefen, auch jenen an Rilke, in vollendeter Sprache verfasst sind und in einer Klarheit, die sich ihre Aktualitaet bis in unsere Zeit bewahren konnte. Ein Briefwechsel, schwierig zu lesen manchmal, und manchmal zu ausfuehrlich fuer jenen, der sich nicht intensiv in die Psychoanalyse einarbeiten moechte - aber historisch und zwischenmenschlich doch unbedingt liebenswert.