Der mehrere Jahrzente dauernde Briefwechsel von Carl Zuckmayer mit der Schauspielerin Annemarie Seidel ist in herzlichem Plauderton gehalten, mehr "Unterhaltung" auf Papier als klassiche Briefe. Dies kommt dem Lesevergnügen zu Gute. Dieser Briefwechsel endete erst mit Annemarie Seidels Tod Ende der 50er Jahre. Anfang der 20er Jahre waren sie kurz ein Liebespaar. Über das Leben am Theater in der Weimarer Republik und die Schwierigkeiten des Exils (z.B.) erfährt der Leser einiges, auch über die Schwierigkeiten der Rückkehr aus dem Exil (Zuckmayer) - eine gewisse Trostlosigkeit in Deutschland in den Jahren danach (gemeint ist der 2. Weltkrieg).
Eine "Szene" hatte mich besonders erreicht: Ende November 1934 sitzt Carl Zuckmayer im menschenleeren "Cafe Bazar" in Salzburg und schreibt Frau Seidel einen mehrere Seiten langen Brief; jeder, der das "Bazar" von den Sommermonaten (der Festspielzeit!)her kennt, wenn es übervoll ist und laut, wird sich manchmal sicherlich vorgestellt haben, wie schön einsam und melancholisch es dort im Winter sein muß.