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Briefwechsel 1949-1975
 
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Briefwechsel 1949-1975 [Gebundene Ausgabe]

Ernst Jünger , Martin Heidegger , Günter Figal
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 317 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 1., Aufl. (April 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608936416
  • ISBN-13: 978-3608936414
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 13,8 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Die bisher ungedruckte Korrespondenz der beiden für das 20. Jahrhundert zentralen Figuren konservativ-revolutionären Denkens. Dieser bisher unveröffentlichte Briefwechsel zwischen Ernst Jünger und Martin Heidegger geht hervor aus Gesprächen der Nachkriegszeit über ein großangelegtes Zeitschriften-Projekt, an dem neben Jünger und Heidegger, Gerhard Nebel, Friedrich Georg Jünger und Werner Heisenberg beteiligt sein sollten. Ein Vorhaben, das nicht verwirklicht wurde, und das doch einen schriftlichen Austausch zwischen den beiden Autoren initiierte, der bis zum Tod Heideggers dauerte.

Klappentext

Neben der Organisation des schriftstellerischen Lebens, den Publikationen und öffentlichen Reaktionen auf sie, den Einladungen und polemischen Einwürfen gegen den Zeitgeist sind es vor allem Betrachtungen zur Sprache, denen dieser Austausch gilt. Die Verflachung unseres Sprachgebrauchs durch Spezialisierung, der Wert der (rapide verschwindenden) Dialekte, die Rolle der Sprache als Erkenntnismittel, die Sprachphilosophie Rivarols - das sind einige der wichtigen Stichworte dieser Dokumente. Zusätzlich aufgenommen in diesen Band sind die Festschrift Jüngers zu Heideggers 60. Geburtstag, »Über die Linie«, Heideggers Aufsatz »Zur Seinsfrage« und die Texte des Bändchens »Federbälle« - Sprachnotizen, von Jünger dem Philosophen zum 80. Geburtstag als Privatdruck gewidmet.

Der Herausgeber Günter Figal, Professor für Philosophie an der Universität Freiburg. Studium der Philosophie und Germanistik in Heidelberg. Habilitation 1987. Herausgeber des »Internationalen Jahrbuchs für Hermeneutik. Veröffentlichungen u. a.: Theodor W. Adorno. Das Naturschöne als spekulative Gedankenfigur (1977), Martin Heidegger, Phänomenologie der Freiheit (3. Aufl., 2001), Nietzsche. Eine philosophische Einführung (1999). Gegenständlichkeit (2006).


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Format:Gebundene Ausgabe
Jetzt liegt der Briefwechsel von Ernst Jünger mit Martin Heidegger vor. Er ist der elfte von bisher zwölf erschienenen Briefwechsel-Monographien mit und von Martin Heidegger. Der Briefwechsel Jünger / Heidegger
- enthält im ersten Teil den eigentlichen Briefwechsel mit einem Anhang,
- im zweiten Teil - endlich als Einheit zusammengefügt - die beiden Essays: 'Über die Linie' von Ernst Jünger (zuerst erschienen: Anteile. Martin Heidegger zum 60. Geburtstag. Frankfurt am Main 1950) und 'Zur Seinsfrage' (zuerst erschienen unter dem Titel: "'Über ''Die Linie'"'' als Beitrag zur Festschrift für Ernst Jünger zum 60. Geburtstag (') Frankfurt am Main 1955 Seite 9 bis 45). Dafür kann man dem Herausgeber Herrn Prof. Günter Figal (Freiburg) und dem Verlagen Klett-Cotta, Stuttgart und Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main nur herzlich danken. Außerdem enthält der zweite Teil noch '"Federbälle", das sind' Aphorismen, kurze Gedanken, Aufgelesenes aus Unterhaltungen, aus Zeitungen etc. von Ernst Jünger (Martin Heidegger nennt die '"Federbälle" '"'das geheimnisvolle Sprechen der Sprache"' (Brief Nr. 58).
- Im dritten Teil enthält der Briefwechsel die Anmerkungen, die sich auf Wesentliches beschränken, das Nachwort von Prof. Günter Figal und das übliche Notwendige.
Ernst Jünger eröffnet die Korrespondenz bezeichnender weise mit "'Sehr geehrter Herr Professor"'' Martin Heidegger antwortet ihm: '"Zunächst möchte ich Sie aber bitten, den 'Professor' wegzulassen".' Damit scheint Martin Heidegger mit Ernst Jünger die gleiche Augenhöhe hergestellt zu haben. Doch ist in den Briefen ein eigenartiges Gefälle zu spüren: Ernst Jünger ist der Fordernde der Wissen-wollende, und Martin Heidegger ist der Wissende, der Gebende, der Teilende. Ernst Jünger nimmt sich zurück (ein Zeichen seiner Größe), um Heideggers Denken Platz zu machen. Und Heidegger philosophiert auch (z. B. Brief 18). Was er da schreibt ist genial. Die Bewunderung, die Ernst Jünger (Brief Nr. 19) zeigt ist absolut berechtigt.
Martin Heidegger kann mit gleicher Genialität auch ganz anders: Hingewiesen von Ernst Jünger (Nr. 52) auf eine Äußerung von Karls Jaspers über die Bedeutung von Arthur Schopenhauer und Heinrich Heine im 19. Jahrhundert, schreibt er in Richtung auf Karl Jaspers (Nr. 53): ''"ich weiß nicht was soll es bedeuten"'' (Ein Heine-Wort, mit dem Heinrich Heine Clemens Brentanos Dichtung nicht nur verballhornen sondern gleichsam vernichten wollte.)
Eine solche Bemerkung (Brief 53) ist sicher nicht der Dankbarkeit gegen Karl Jaspers geschuldet, der sich nach dem Krieg (von Basel aus) sehr für Martin Heideggers Rehabilitierung als Hochschullehrer eingesetzt hatte. Eher scheint mir, steckte Martin Heidegger der letzte Brief (Nr. 145, 25.3.1963) von Karl Jaspers an ihn in den Knochen: '"wir (könnten) uns in einer 'Gegend' zu sinnvollem Kampfe treffen ('), wo jene 'Orte' liegen, von denen Sie schreiben. Das wird wohl kaum noch geschehen. Wenn, dann würde nur von dort her gegenseitig ein Licht fallen auf Werk und persönliche Wirklichkeit, durch die wir erscheinen.'" (Martin Heidegger / Karl Jaspers Briefwechsel 1920 ' 1963 FFM 1990, S. 217).
Der von Karl Korn, dem Feuilletonchef der FAZ, zugeschickte Fragenkatalog (abgedruckt auf S. 261) war Heidegger lästig (Briefe 21 und 22). Doch schwang noch etwas anderes mit in seiner Ablehnung: Heidegger hat zumindest zwei Ausgaben der FAZ, die er, wie er schriebt, nie liest, gelesen, die vom 25.7.1953 und die vom 14.8.53. In der erstgenannten schrieb der Bonner Student H. eine Rezension unter dem Titel: "'Mit Heidegger gegen Heidegger denken".' In der zweiten schrieb Karl Korn: '"Warum schweigt Heidegger?"' Ja, warum schwieg er? Erhellend sind dafür vielleicht Brief Nr. 2 (Martin Heidegger): "'Wir dürfen der fortbestehenden, aber inzwischen schlauer gewordenen Rachsucht nicht das Letzte zum Fraß vorwerfen, wir müssen im eigentlichen unangreifbar bleiben.'" (S.13) Brief Nr. 3 (Ernst Jünger): "'Im Laufe der letzten Jahre ist mir ganz deutliche geworden, daß Schweigen die stärkste Waffe ist, vorausgesetzt, daß sich dahinter etwas verbirgt, das das Verschweigen lohnt."'

Beide habe gelitten. Beide wußten 1949, dass nicht nur ihre Reputation auf dem Spiele steht, sondern bei Martin Heidegger sein ganzes Lebenswerk. Und damit hatte er völlig recht.

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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sprache ist Bewusstsein 15. April 2008
Format:Gebundene Ausgabe
An einem Morgen in den 1960er Jahren notiert Ernst Jünger Reflexionen über das Verhältnis des Autoren zur Sprache: '"Beim Frühstück. Föhn. Mißstimmung unterhöhlt die Realität der Dinge und ruft auch Zweifel an der Realität der Worte wach. Wir arbeiten mit der Sprache wie mit Lehm, der allmählich härter wird und endlich abbröckelt.
Flugwild wird mit mehr oder minder glücklichen Treffern zur Strecke gebracht, oft nur gestreift. Unter schattenhaften Verwandlungen lebt es in der Sprache fort.'"

Mit dieser Adnote, wie Ernst Jünger selbst diese kleinen Gedanken bezeichnete, beginnen die ''Federbälle', eine Sammlung von Bruchstücken kluger Gedanken und Gedankengedanken über die Sprache, wie sie bei einem so produktiven Autoren wie Jünger zuhauf anfielen. Ernst Jünger widmete den ersten Teil der Notizen Martin Heidegger zum 80. Geburtstag und fasste sie in einem kleinen Privatdruck zusammen. Jünger wollte sich damit bei Heidegger bedanken, dem er viel zu verdanken hatte, was den Zusammenhang von Sprache und Bewusstsein betrifft. Die ''Federbälle'' bilden neben 'Über die Linie' und 'Zur Seinsfrage' den zweiten Teil des von Klett-Cotta erstveröffentlichten Briefwechsels zwischen Ernst Jünger und Martin Heidegger.

Beiden Autoren war permanent präsent, dass die Sprache, ihre Sprache ihr Bewusstsein bestimmt. Diese so banal klingende Aussage ist in ihrer Auswirkung von ungeheurer Bedeutung. Denn wir sind, was wir denken. Anders ausgedrückt: Unser Bewusstsein kann nicht über unseren Wortschatz hinausreichen. Das was wir nicht mehr beschreiben können, kann für uns letztlich nicht existent sein. Jünger fasste dies in die schöne Formel: '"Es wird immer solche geben, die meinen, wenn sie nicht weiter können, die Sprache sei erschöpft.'"

So befassen sich viele der Adnoten Jüngers mit dem Verfall der Sprache, dem Verlust von Worten, Dialekten, Schreib- und Sprechweisen. Das Verhältnis zwischen Sprache und Bewusstsein ist dabei Fokus des Austausches der beiden vermutlich bedeutendsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Er umfasst im Buch knapp 100 Seiten. Günter Figal weist im Nachwort darauf hin, dass nicht alle Korrespondenz erhalten ist. Auf die Lücken weist die Korrespondenz selbst hin, wenn einer der beiden sich auf ein Schreiben bezieht, welches nicht abgedruckt ist. Günter Figal, Professor für Philosophie an der Universität Freiburg hat den Briefwechsel herausgegeben, kommentiert und mit einem Nachwort versehen. Seine Kommentierung ist knapp, sie unterlässt den Fehler voriger Briefwechsel mit Ernst Jünger, jedwedes Faktum, quasi lexikalisch erläutern zu wollen, was zum Ergebnis hatte, dass manch Anmerkungsapparat den Umfang der Korrespondenz einnahm. Dies schien mehr dem Ego der Herausgeber geschuldet als einem Sinn.

Unser Sprachschatz bemisst nicht nur den Rahmen unseres Denkens. Auch unser soziales Verhalten und damit das äußere Leben wird durch unsere Äußerungsfähigkeit abgesteckt. Jünger geht in seinen Notizen, die wie Federbälle in reger Ergänzung auch der Briefe hin und her fliegen, immer wieder auf die dandyistischen Gepflogenheiten im 19. Jahrhundert ein. Das ironische Sprachspiel, gewürzt mit intelligenten Wortspielen diente in den Salons als Erkennungssigel der Dandys untereinander und war zugleich ein intellektuelles Duellieren. So lässt sich Jünger von Heidegger eine Maxime Rivarols übersetzen und stellt ihm gegenüber seine eigene Übersetzung zur Disposition. Der Austausch der beiden Großgeister in diesem Punkt ist einer der Höhepunkte der Korrespondenz. Jünger, der Dandy im Forsthaus, war seit den 1920er Jahren fasziniert von dieser sozialen Ausnahmefigur, die scheinbar mitten im Zentrum des gesellschaftlichen Lebens steht, tatsächlich aber ein tief-reflektiertes vivre masqué führt.

Jünger hatte früh die legendäre Schrift von Barbey d''Aurevilly studiert, die im späteren 20. Jahrhundert mit seinem Wissenschaftswahn nicht mehr ernstgenommen wurde, jedoch den Urdandy Beau Brummell treffend charakterisiert. Nach Barbey sei es nicht die Kleidung, die Brummell zum first gentleman of europe habe avancieren lassen. Seine Gesprächskunst wäre wichtiger gewesen: '"Er war im Gespräch so beißend wie Hazlitt in seinen Schriften. Seine Worte gingen wie Nägel durchs Fleisch, aber in seiner Unverschämtheit war zu viel Breite, als dass sie sich verdichten, sich in Epigrammen hätte sammeln können. Von den geistreichen Worten, die sie verlauteten, ließ er seine Impertinenz übergehen in seine Handlungen, seine Haltung, seine Bewegungen, den Ton seiner Stimme. Und er übte sie mit der unanfechtbaren Überlegenheit, die in der guten Gesellschaft ihre Zulässigkeit überhaupt bedingt; denn sie streift die Grobheit wie das Erhabene das Lächerliche, und wenn sie aus der Nuance fällt, hat sie ausgespielt. Immer halb verhüllt, wie sie ist, bedarf die Unverschämtheit nicht der Worte, sich durchzusetzen; sie verschmäht jede Stütze und hat doch eine viel durchdringendere Wirkung als ein noch so glänzend gefeiltes Epigramm. Dem, der sie besitzt, ist sie der denkbar sicherste Schutz gegen die oft so feindselige Eitelkeit der anderen, und um wiederum die tief bewusste eigene Schwäche zu verbergen, eine Hülle, wie sie kleidsamer nicht gerafft werden kann. Wer über sie verfügt, was braucht der sonst?'"

Heute, in Zeiten suggerierter sozialer Indifferenz, ist die Kunstfertigkeit in Gespräch und Konversation essenzieller Ausweis des tatsächlichen persönlichen Status. Wohlstand zu präsentieren, wirkt zunehmend peinlich.

Der Verlag hat durch die Zusammenführung der Korrespondenz mit den Großessays Jüngers, die er Heidegger widmete, ein umfassendes Buch geschaffen, das sozusagen den Heidegger Jüngers repräsentiert. Als Ergänzung wünschenswert gewesen wäre noch eine Darstellung über das persönliche und intellektuelle Verhältnis dieser beiden großen Einzelgänger im Denken. Sicher, so eine Darstellung muss immer ein Versuch bleiben und Klett-Cotta und Vittorio Klostermann taten gut daran, psychologisierende Deutungsversuche zu unterbinden. Dennoch fehlt diesem Buch eine Annäherung an das, was man als biographische Treffpunkte beider und als geistige Synergie bezeichnen könnte. Figal beschränkt sich im Nachwort leider auf die Auskunft, wann und wie sich die Dichter-Philosophen kennengelernt haben.
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