Schreiben ist im allgemeinen schwerer als man weitläufig annimmt; um so beeindruckender war es, diese leicht, manchmal in großer Eile niedergeschriebenen Briefe zweier Menschen zu lesen, die sich ein Leben lang durch einen tiefe Seelenverwandtschaft verbunden blieben, obwohl ihnen nur wenige Male die Freuden einer persönlichen Begegnung vergönnt werden sollten. In den persönlichen Aufzeichnungen beider findet der Leser ALLES und das im eigentlichen Sinn des Wortes: jugendliche Liebe und Verfall im Alter, das Glück familiärer Bindungen und die Kälte der Einsamkeit, philologische Wissenschaft und schriftstellerische Kunst, die Resignation des Stillstands und die Kraft des Schaffens, Philosophie und Alltäglichkeiten, das zaristische Rußland und Stalins Terrorherrschaft, Krieg und Frieden, Anfang und Ende. In einer zärtlichen Zuneigung zieht es den Leser immer wieder zu den Protagonisten und ihren "schlichten" Gefühlen; er begleitet sie auf dem kurzen Weg ihres Daseins und hofft auf ein Wiedersehen. Die zum Teil schwer verstänglichen wissenschaftlichen Ausführungen von O.F. über die griechische Philologie sollten den Leser nicht zurückschrecken, denn die Belohnung ist ein intimer Blick in das Leben zweier faszinierender Menschen. Und letztendlich erstaunt, wieviel vom Menschen Pasternak im Schiwago steckt.