Die Lektüre dieser Briefbände ist jeder Zeit spannend, unterhaltsam, lehrreich und bewegend. Ganz selten kommt einem der Gedanke, die 2000 Seiten durch Querlesen etwas abzukürzen, etwa wenn Vincent zum (buchstäblich) hundertsten Male seine finanzielle Notlage schildert und seinen Bruder um eine Geldsendung bittet. Denn gleichzeitig sind es gerade diese und andere scheinbar alltägliche Banalitäten, die einen zunehmend faszinieren und das Gefühl geben, ganz nah an die Persönlichkeit des genialen Malers heranzukommen. Seine zunächst romantisch-verstiegenen, dann zunehmend pragmatischen Auffassungen und Erfahrungen mit der Liebe zu Frauen, seine sensiblen Beobachtungen zu neuen Orten und Ländern, seine Loslösung vom Elternhaus und natürlich vor allem die sich aus kleinsten, unbeholfenen Anfängen heraus entwickelnde Berufung zum Künstler sowie seine Gedanken zu Kunstwerken, Künstlern und Strömungen - all dies ist von so großer, urprünglicher und unmittelbarer Kraft, dass man sich zwingen muss, die Lektüre zu unterbrechen. Höchst empfehlenswert, eine echte Perle!