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Briefe einer Freundschaft
 
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Briefe einer Freundschaft [Taschenbuch]

Ingeborg Bachmann , Hans Werner Henze , Hans Höller
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Ein Briefwechsel, in dem man Ingeborg Bachmann, der auf Erden nicht zu helfen war, so nahe kommt wie nie zuvor und dabei zugleich stets die ungeheure Entfernung ermißt, die uns von ihr trennt.« Die Zeit

Kurzbeschreibung

»Mir ist völlig klar, daß die Freundschaft mit Dir die wichtigste menschliche Beziehung ist, die ich habe, und das soll auch so bleiben. Ich habe immer an Dich geglaubt, und an Dich werde ich immer glauben bis ans Ende meines Lebens. Und wo und wann sich unsere Wege auch immer kreuzen werden, es wird ein Fest sein.« Ingeborg Bachmann an Hans Werner Henze »Ein Briefwechsel, in dem man Ingeborg Bachmann, der auf Erden nicht zu helfen war, so nahe kommt wie nie zuvor und dabei zugleich stets die ungeheure Entfernung ermißt, die uns von ihr trennt.« Die Zeit

Über den Autor

Ingeborg Bachmann, am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren. Lyrikerin, Erzählerin, Essayistin. 1952 erste Lesung bei der Gruppe 47. Preise: Bremer Literaturpreis, Hörspielpreis, Georg-Büchner-Preis, Großer Österreichischer Staatspreis, Anton-Wildgans-Preis. Sie lebte nach Aufenthalten in München und Zürich viele Jahre in Rom, wo sie am 17. Oktober 1973 starb.

Hans Werner Henze, geboren 1926, zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten. Schon in den 50er Jahren vertonte er Ingeborg Bachmanns Lyrik und schrieb Kompositionen zu ihren Libretti, u.a. »Der junge Lord« und »Der Prinz von Homburg«.

Der Herausgeber Hans Höller, geboren 1947, lehrt als Professor für Germanistik an der Universität Salzburg und hat u.a. Ingeborg Bachmanns »Letzte Gedichte« herausgegeben sowie zahlreiche Monographien über sie veröffentlicht.

Auszug aus Briefe einer Freundschaft von Ingeborg Bachmann, Hans W. Henze. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

An Ingeborg Bachmann
Ischia, 28. Oktober 1955
28 X 55
Carissima,

während ein unerwarteter regen gegen die fenster schlägt und während im kamin das kalabresische eichenholz brennt, während ich den 2. satz der "Sinfonischen Etüden"' beendet habe und während der Gigi immer noch hier ist und schuftet,
sage ich Dir:
WIE SEHR ICH MICH FREUE, dass der Homer mit Deinem unzweifelhaften geschmack übereinstimmt!
Strobel weiss alles über das projekt. ich habe auch versucht, ihre zu beschreiben, wie ich mir die handlung mehr oder weniger vorstelle.
mit ihm musst Du auch über Deinen preis reden.
die neue komposition, an der ich arbeite, ist sehr traurig. als ich heute anfangen wollte, drehte sich mir der kopf. dunkelheit, angst. ich schloss die augen, und dann erschien mir die Madonna, wunderschön, voll licht und gold, und danach ging die arbeit gut, ich war ruhig und empfand freude und den sehr seltenen wunsch, ein braver junge zu sein. dann ist auch noch Dein brief gekommen. was habe ich für ein glück, mit Dir arbeiten zu können! denk bald darüber nach, wams Du kommen kannst: nach weihnachten, mit mir im auto vom norden herunterfahrend?
denk nach, arbeite gut und schreib an Deinen
hans

P.S. ich denke so viel an Dich, ganz oft, wenn mich meine dämonen rufen und ich eine hand haben möchte ... die arbeit mit Dir: es ist nicht nur wegen Deiner hohen künstlerischen würde, auf die ich mich stützen möchte, es ist auch die rein menschliche hoffnung. wie schwach und elend ich doch zuweilen bin, mutlos und schutzlos! wenn wir uns sehen werden, wie das letzte mal in Rom, werde ich immer mehr mut bekommen, mit Dir zu reden. ich hoffe, es wird bald sein, dass wir uns sehen.
schau, ich weiss nicht, ob ich Dir helfen kann - vielleicht nur das gegenteil, vielleicht könnte meine wahrheit bei Dir nichts als angst und ekel hervorrufen. der 2. satz, den ich heute beendet habe, ist so traurig, so verzweifelt ...
ich weiss, dass ich so nicht weitermachen kann.
wenn die Nonos nicht da wären, wüsste ich nicht, was ich verrücktes täte. denn es ist das wirkliche leben, die arbeiten, die mir verbieten, verrücktheiten zu machen, während die ganze seele unbehaust und ungeschützt durch die lüfte fliegt - jede stunde eine neue idee, ein neuer einfall. schon heute abend habe ich die Madonna beleidigt, die mir heute morgen zugelächelt hat! o entschuldige, Inge - vielleicht wirst nur Du auf dieser erde mich eines tages verstehen können. und doch, wie wenig höre ich auf das, was Dich betrifft. auch das hier ist eine schrecklich egoistische, kalte sache ... entschuldige!
hans

An Hans Werner Henze (Briefentwurf)
Klagenfurt, 1. November 1955

Klagenfurt
Henselstraße 26
il 1 novembre 1955
Lieber Hans,

Diesen Nachmittag ist Dein Brief eingelangt, und es berührt mich sehr, dass wieder eine Zeit gekommen ist, die die Notwendigkeit unserer Freundschaft, oder wie man diese Merkwürdigkeit nennen will, hervorkehrt. Ich denke, dass ich Deine Dunkelheit gut genug fühle - auch ohne die gegenwärtigen Gründe zu wissen und die Details - und sind sie nicht weniger wichtig? Ist es nicht immer dasselbe Übel, das Leid erzeugt, verborgen oder offen? Aber bevor ich Dir Mut mache, lass mich etwas anderes sagen, das ein wenig in Beziehung steht reit diesem Problem. In einem Deiner Briefe schreibst Du, dass ich nicht die ganze Wahrheit über meine Situation gesagt habe: das ist wahr, aber ich spreche nicht, weil ich weiss, dass ich diesen Zustand besser ohne Sprechen überwinden kann. Es ist kein Mangel an Vertrauen. Versteh: wir haben wenig über mich gesprochen in diesen letzten Zeiten, und es war auch wenig nützlich, wenig notwendig, weil Du dort gelebt hast und ich da, es war auch gut, um eine freiere Basis zu finden. Doch ich fühle mich - auf dieser freieren Basis - nichtsdestoweniger Dir näher und bereit zu was auch immer. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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