Dr. Siri bekommt, eigentlich schon Tradition, drei Fälle aufgehalst, die es zu lösen gilt. Zunächst wird ein blinder Mann überfahren, was angesichts der geringen Autozahlen in Laos für reichlich Verwunderung sorgt. Zudem stellt sich die Frage, was ein Blinder mit einem Brief anfangen will. Noch dazu mit Geheimtinte geschrieben. Richter Haeng entsendet Siri außerdem in den Süden, wo ein Politiker in der Badewanne verstorben ist. Ebenfalls eher ungewöhnlich, da elektrische Geräte nicht gerade häufig zu finden sind und wenn, funktionieren sie verständlicherweise nur mit Strom - der in Laos wirklich nicht regelmäßig fließt. Im Süden trifft er auch auf eine Mutter, deren Sohn unter merkwürdigen Umständen aus dem Fluss gefischt wurde.
Siri macht sich mit seinem Freund Civilai auf den Weg, der dem Pathologen ein wenig unter die Arme greifen möchte und stärker in den Mittelpunkt rückt als in den vorhergehenden Büchern. Dafür fehlt in diesem Buch Deung, der sich vom Denguefieber erholen muss. Die Arbeit leisten Dtui, Siri, der Polizist Phosy und eben Civilai, unterstützt von einer alten Weggefährtin von Dr. Siri. Einen der Fälle löst Siri recht schnell mit einer überraschenden Erklärung, die viel über die täglichen Bedürfnisse im Land verrät. Dafür fordern die beiden anderen Fälle deutlich mehr Grips und sind wesentlich schwieriger zu lösen. Auch halten sich insgesamt die Geister zurück, mit denen Siri verschlüsselt immer etwas mehr über die Todesursache erfährt, die er zu enträtseln versucht.
Der vierte Band spielt knapp zwei Jahre nach der Etablierung der kommunistisch geprägten Demokratischen Republik Laos durch die Pathet Lao. Anno 1977 bilanzieren die ersten Parteikader die Ergebnisse der Revolution und stetig probiert die Regierung in Vientiane besonders im Süden neue Reglementierungen aus. 'Briefe an einen Blinden' enthält dadurch immer wieder nachdenkliche Passagen, auch wenn Menschen wie Siri und Civilai das Gesamte eher mit Zynismus kommentieren als mit verbissenen Zähnen Und gerade Siri ist einer, der eigenwillige Interpretationen zu seinem Markenzeichen gemacht hat: "Von der Tatkraft seiner Kollegen beflügelt, begab Siri sich schnurstracks auf die Privatstation der Klinik, suchte sich ein leeres Zimmer und sank auf das gestärkte Laken, um ein kleines Nickerchen zu halten. ... Er betrachtete dies als seinen Beitrag zum Projekt. Ein Team wie das ihre brauchte einen ausgeruhten Anführer mit klarem Kopf".
Die Geschichte bietet für die künftigen Arbeiten des Pathologen interessante Wendungen, die ausreichend Raum lassen für Spekulationen. Band 4 ist der bisher politischste Band, begleitet aber wie üblich von viel Schlagfertigkeit und Humor. Auf diese Weise geben sich kleine Geschichtsstunden, die Kriminalfälle und der ungewöhnliche Schauplatz freundlich die Hand und machen erneut viel Lust auf eine Fortsetzung.