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Briefe an die Fremde
 
 
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Briefe an die Fremde [Gebundene Ausgabe]

Honoré de Balzac
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 633 Seiten
  • Verlag: Manholt Verlag (1996)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3924903344
  • ISBN-13: 978-3924903343
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,9 x 5,3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 2.728.957 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Ein Traum, was sonst?

Balzacs Briefe an die Fremde

Honoré de Balzac steht noch am Anfang seiner literarischen Karriere, als er Ende März 1832 einen Brief aus Russland erhält, Inhalt: überschwängliche Komplimente, aber wohl auch Einwände gegen seine desillusionierte Sicht der Liebe und der Ehe; Unterschrift: «L'étrangère», die Fremde. Dahinter verbirgt sich Gräfin Ève Hanska, die Frau eines ukrainischen Grossgrundbesitzers; sie hatte allerdings nicht allein, sondern gemeinsam mit literaturbegeisterten Freundinnen geschrieben. Balzac, der davon nichts ahnt, lässt sich auf das romaneske Spiel mit der Anonymität ein: Seine Antwort erscheint als Anzeige in der «Gazette de France». Bald schon wird die Korrespondenz intimer: Balzac ist entschlossen, sich in die Frau zu verlieben, die er nie gesehen hat und deren Namen er nicht kennt; die Gräfin zeigt ihre Antwortbriefe nicht mehr den Freundinnen. 1833 reist sie mit ihrer Familie in die Schweiz, man trifft sich in Neuenburg, dann in Genf, wo sie Anfang 1834 Balzacs Geliebte wird.

In den folgenden Monaten richtet er hymnische Lobpreisungen an sie («Oh mein abgöttisch geliebter Engel, Du, der meine ganze Zukunft gehört, mein ganzes Glück . . .»), aber es eilt ihm anscheinend nicht mit einem Wiedersehen. Eine für Herbst 1834 geplante Reise nach Wien wird auf das folgende Jahr verschoben; der immer wieder angekündigte Besuch in Russland findet erst im Sommer 1843 statt, eineinhalb Jahre nach Hanskis Tod. Damit tritt die Beziehung in eine neue Phase ein; in den sieben Jahren, die die Gräfin noch auf die Heiratserlaubnis des Zaren warten muss, reist Balzac mehrfach in die Ukraine, man trifft sich in Deutschland, Frankreich oder Italien. Am 14. März 1850 wird sie seine Frau; Balzac stirbt fünf Monate später.

Dass die Gräfin Hanska ihren wesentlich älteren Mann überleben würde, war zu erwarten; Balzac aber schafft sich mit dem merkwürdigen Arrangement die Möglichkeit, seinen Traum vom Glück in eine ungewisse Zukunft zu verlagern, um die Gegenwart für sich, für sein Werk zu haben. Der grosse Romancier und Psychologe schreibt sonderbare Liebesbriefe: immer spricht er nur von sich, von seiner Arbeit, seinen Büchern, den Schulden, die trotz allen Anstrengungen nicht weniger werden. Wenn er sich zum Eremiten stilisiert, der alle seine Tage und Nächte am Schreibtisch verbringt, sucht er nicht nur Èves (begründete) Zweifel an seiner Treue zu zerstreuen; er hofft wohl auch, die Erinnerung an die ferne Geliebte werde ihn vor anstrengenderen Beziehungen und Ablenkungen anderer Art schützen.

Nicht erst gegen Ende der dreissiger Jahre, als die Entfremdung zwischen den Partnern offensichtlich wird, äussert sich Balzac oft erstaunlich taktlos. Wenn die Gräfin Hanska angesichts seiner chaotischen Finanzen, angesichts mehrfach verschobener und schliesslich abgesagter Reisen in die Ukraine Ungeduld erkennen lässt, verweist er stets gekränkt auf sein gewaltiges Arbeitspensum – Vorwürfe machen ihn krank oder lenken ihn zumindest ab und verzögern dadurch die Vollendung des Werkes, und es wäre doch im Gegenteil die Aufgabe der Geliebten, ihn nach Kräften zu unterstützen! Im Rückblick erscheint Madame de Berny, die mütterliche Freundin, als die einzige Frau, die ihn wirklich glücklich gemacht hat – weil sie nichts von ihm forderte, sondern sich dem Ehrgeiz des Schriftstellers bedingungslos unterordnete.

Während Balzac die Briefe der Gräfin Hanska auf ihren Wunsch hin vernichtete, hat sie die seinen vollständig aufbewahrt; in der französischen Ausgabe füllen sie zwei dicke Bände. Es war richtig, für die deutschen Leser eine Auswahl zu treffen: Zwar finden sich gelegentlich Bemerkungen z. B. über Schriftstellerkollegen (etwa ein sehr amüsantes Porträt von George Sand), aber im wesentlichen spricht Balzac von sich selbst und wiederholt sich dabei häufig. Die Briefe der Jahre 1844–1850 wurden ganz weggelassen – mit Recht, denn sie bilden ein anderes Kapitel in Balzacs Liebesroman. Die Übersetzung ist (von wenigen Ungeschicklichkeiten abgesehen) gut lesbar; Anmerkungen und Namenverzeichnis bieten ein Minimum an Erläuterungen (wie stets in solchen Fällen ist es letztlich müssig, darüber zu diskutieren, über wen auch oder eher etwas zu sagen gewesen wäre). Wie alle Bücher des Manholt-Verlags ist auch dieses schön gedruckt und ansprechend ausgestattet.

Albert Gier

Kurzbeschreibung

März 1832: Honoré de Balzac, Anfang dreißig und dabei berühmt zu werden, erhält einen anonymen Brief von einer Verehrerin. Die rätselhafte Fremde, eine Gräfin Ève Hanska und Gemahlin eines reichen ukrainischen Grundbesitzers, entfacht schon bald des Schriftstellers Leidenschaft. Aus dem Briefwechsel wird eine Liebesromanze und nur fünf Monate vor Balzacs Tod, eine Ehe. Doch die längste Zeit ihrer siebzehnjährigen Beziehung bleibt es für beide eine ferne Liebe, und es scheint, als sei gerade diese Distanz für den Schriftsteller Balzac unerläßlich für die Konzentration auf seine literarischen Vorhaben. Die vorliegende Auswahl gibt Einblick in die bei aller Glut kalkulierte Liebe Balzacs zur Gräfin Hanska. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Von Dichtung&Kritik TOP 500 REZENSENT
Format:Broschiert
"Mein holder Engel, oh Du, nur Du bist es, die meine Gedanken ewig füllt, nur Dein seidenes Haar oh Engel, nur Deine Augen, nur Dein lieber Blick, oh holdes Wesen, weicher als alle bist Du in mein Herz geschwebt oh süßes Wesen öh schönste Königin...."
Und so geht es seitenweise weiter.
Sowohl die übertriebene Unterwürfigkeit Balzacs gegenüber der Gräfin Hanska, in die er sich in der Mitte seines Lebens verlieben will, als auch die Unangemessenheit dieser Überschwänglichkeit irritieren. Gräfin Hanska mag sicherlich mittelmäßig gebildet gewesen sein, weder aber hatte sie große Leidenschaft noch großes Herz oder übermäßigen Verstand. Sie war einfach adelig, und dies hatte Balzac zeitlebens angezogen.
Mit ihr erhoffte er sich Adelsstand und Geld zur Tilgung seiner Schulden.
Sein übertriebener Stil aber muss auch sie damals bereits misstrauisch gemacht haben - scheinen die Gefühle doch erzwungen, gewollt, nicht echt.
Zu viel "Oh mein Engel" muss auch sie zum Zweifeln gebracht haben.
Und so finden wir in 8 auf eine Affaire folgenden Jahren nur 70 Briefe Balzacs, eine merkliche Abkühlung, bis Herr Hanska stirbt und sie frei ist, und schon ist es wieder der alte Balzac und alle Englein sind zurück.
Beschämend. Beschämend zu sehen, wie ein so großer Schriftsteller (denn als Romancier hat er Frankreichs Literatur sicherlich bereichert) sich so unreflektiert vor einer solchen Frau in den Staub wirft.
Die Briefe, in diesem Band auch natuerlich fast ausschließlich Balzacs Briefe, da die Briefe der Hanska verbrannt wurden, zeugen nicht von schriftstellerischer Größe, sie sind eigentlich nur peinlich.
Gerade deswegen aber möchte ich zumindest den hier vorliegenden Band empfehlen, insofern als er einen geschickten Auszug der Briefe darbietet - es sind immer noch viele, aber wenigstens nur die wichtigsten, und dazu ein Vor- und Nachwort mit guter geschichtlicher Einordnung, sowie eine Zeittafel.
Will man also der Zeit und dem Wesen Balzacs nachspüren, darf man hier vielleicht einmal hineinlesen und einiges verstehen.
Künstlerischen Wert haben vorliegende Briefe allerdings meines Erachtens nicht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Broschiert
Lesen Sie gern Liebesbriefe anderer Leute? Falls Sie sagen - ich würd' schon gern, aber wer ließe mich wohl? - dann werden Sie, pardon: dann wird Ihnen jetzt vom Fischer Taschenbuch Verlag geholfen. Ulla Momm und Gerda Gersberger haben die Herausgabe von Honoré de Balzacs "Briefe an die Fremde" besorgt und den Band nicht nur kenntnisreich eingeleitet, sondern auch ein Namens- und Ortsverzeichnis sowie eine Zeittafel und jede Menge nützlicher Anmerkungen erstellt, die das Verständnis der Briefe sehr erleichtern. Die Briefauswahl umfaßt den Zeitraum von Beginn des Briefwechsels 1832 bis zum Jahr 1843. Der Briefwechsel begann mit dem Brief der zunächst anonym gebliebenen Eve Hanska an den bewunderten Dichter Balzac. Schon bald tritt sie, die Fremde, aus der Anonymität, beide treffen sich und es beginnt eine Liebesbeziehung, wobei Balzac außer von den Reizen der Hanska wohl auch von ihrem Adelstitel und ihrem Vermögen angezogen war. Um es kurz zu sagen: es geht ungemein schwülstig und dabei zutiefst verlogen zu. Wann immer Balzac an Eve Hanska schreibt: unter den überschwenglichsten Äußerungen sie sei himmlisch, heilig, herrlich, und überhaupt die Schönste, Beste, Vielgeliebte macht es der Meister nicht. Gelegentliche Abkühlungen in dem Verhältnis kommen eher durch geringere Brieffrequenz denn durch geänderten Stil zum Ausdruck. Und neben den Tiraden über verlorene Prozesse, Mangel an Geld und Zuviel an Arbeit muß Balzac seine nicht unbeträchtliche Zahl von Konkubinen - über die jeweils aktuelle Favoritin wird die Hanska in der fernen Ukraine durch Pariser Verwandte auf dem laufenden gehalten - wortreich verleugnen. Für Balzac-Fans ist das Buch, bei dessen Druckfehlerkorrektur die erwähnte editorische Sorgfalt leider nicht fortgesetzt wurde, ein absolutes Muß, denn es eröffnet einen umfassenden Einblick in die Lebenswelt des Dichters. Der passionierte Liebesbriefleser wird vielleicht einige romantische Briefe darin finden, aber kaum den ganzen Band mit Interesse durchlesen. Wer dagegen eine Vorlage für den Brief an seine für dauerhafte Zweisamkeit Erwählte sucht, dem sei dringend von Briefen diesen Stils abgeraten: zwar "erhört" die Hanska Balzac bereits beim zweiten persönlichen Treffen 1834, bis zu einem dauerhaften Zusammenleben vergehen jedoch noch 16 Jahre. Balzac heiratete Eve Hanska fünf Monate vor seinem Tod im Jahr 1850.
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