"Mein holder Engel, oh Du, nur Du bist es, die meine Gedanken ewig füllt, nur Dein seidenes Haar oh Engel, nur Deine Augen, nur Dein lieber Blick, oh holdes Wesen, weicher als alle bist Du in mein Herz geschwebt oh süßes Wesen öh schönste Königin...."
Und so geht es seitenweise weiter.
Sowohl die übertriebene Unterwürfigkeit Balzacs gegenüber der Gräfin Hanska, in die er sich in der Mitte seines Lebens verlieben will, als auch die Unangemessenheit dieser Überschwänglichkeit irritieren. Gräfin Hanska mag sicherlich mittelmäßig gebildet gewesen sein, weder aber hatte sie große Leidenschaft noch großes Herz oder übermäßigen Verstand. Sie war einfach adelig, und dies hatte Balzac zeitlebens angezogen.
Mit ihr erhoffte er sich Adelsstand und Geld zur Tilgung seiner Schulden.
Sein übertriebener Stil aber muss auch sie damals bereits misstrauisch gemacht haben - scheinen die Gefühle doch erzwungen, gewollt, nicht echt.
Zu viel "Oh mein Engel" muss auch sie zum Zweifeln gebracht haben.
Und so finden wir in 8 auf eine Affaire folgenden Jahren nur 70 Briefe Balzacs, eine merkliche Abkühlung, bis Herr Hanska stirbt und sie frei ist, und schon ist es wieder der alte Balzac und alle Englein sind zurück.
Beschämend. Beschämend zu sehen, wie ein so großer Schriftsteller (denn als Romancier hat er Frankreichs Literatur sicherlich bereichert) sich so unreflektiert vor einer solchen Frau in den Staub wirft.
Die Briefe, in diesem Band auch natuerlich fast ausschließlich Balzacs Briefe, da die Briefe der Hanska verbrannt wurden, zeugen nicht von schriftstellerischer Größe, sie sind eigentlich nur peinlich.
Gerade deswegen aber möchte ich zumindest den hier vorliegenden Band empfehlen, insofern als er einen geschickten Auszug der Briefe darbietet - es sind immer noch viele, aber wenigstens nur die wichtigsten, und dazu ein Vor- und Nachwort mit guter geschichtlicher Einordnung, sowie eine Zeittafel.
Will man also der Zeit und dem Wesen Balzacs nachspüren, darf man hier vielleicht einmal hineinlesen und einiges verstehen.
Künstlerischen Wert haben vorliegende Briefe allerdings meines Erachtens nicht.