Was passiert, wenn ein chinesischer Mandarin 1000 Jahre in die Zukunft reist, und dabei versehentlich im Bayern landet? Herbert Rosendorfer hatte eine gute Idee, und sich dafür auch sehr in die Situation des Reisenden hineinversetzt. Sein Held namens Kao-Tai schreibt - wie der Titel schon sagt - Briefe in die Vergangenheit um von seiner Reise zu berichten. Dabei wird das heutige Bayern auf leichte, und sympathisch naive Art mit dem alten China verglichen. Wer das Buch genauer studiert hat, entdeckt im Anhang den Grund dafür warum Rosendorfer dazu in der Lage war. Er hat sein Wissen über das antike China durch entsprechende Lektüre erweitert. Mehr als ein Dutzend Bücher, Schriften und sogar reproduzierte Schriftrollen hat der Autor studiert, um ein solches Buch überhaupt glaubwürdig schreiben zu können. Doch wer nun glaubt lediglich ein Werk über chinesische Geschichte erwarten zu dürfen, der irrt.
Die Erlebnisse des Kao-Tai sind sehr abwechslungsreich. Als er zum Beispiel voller Entsetzen das Münchner Oktoberfest beschreibt, oder zum ersten mal in eine „chinesisches" Restaurant der Neuzeit geht. Es ist so gut beschrieben, das man nicht nur sehr amüsiert ist, sondern dem alten Mandarin oft Recht geben muss, in was für einer seltsamen Welt wir heute leben. „Briefe in die Chinesische Vergangenheit" ist eine wunderschöne Erzählung die von kreativen Humor und teils auch schön melancholischem Passagen geprägt ist.