das Leben hat Recht, auf alle Fälle."
Zehn Antowrtbriefe an den jungen Dichter Franz Xaver Kappus sind in diesem Band versammelt. Aus ihnen spricht die Weisheit und die Weitsicht einen Menschen, der aus scheinbarem Fatalismus und Einsamkeit, eine so tiefe mitfühlende Weitsicht schöpfte, das sie bis heute als eine der wohl erhellensten metaphysischen Dichtungen in deutscher Sprache gelten darf.
Vor allem geht es um Schwere, um Einsamkeit, um Lebenskunst und um Liebe, auch um die geschlechtliche:
"Die körperliche Wollust ist ein sinnliches Erlebnis, nicht anders als das reine Schauen oder das reine Gefühl, mit dem eine schöne Frucht die Zunge füllt; sie ist eine große, unendliche Erfahrung, die uns gegeben wird, ein Wissen von der Welt, die Fülle und der Glanz alles Wissens. Und nicht, dass wir sie empfangen, ist schlecht; schlecht ist, dass alle diese Erfahrung missbrauchen und vergeuden uns sie als Reiz an die müden Stellen ihres Lebens setzten und als Zerstreuung statt als Sammlung zu Höhepunkten."
Rilkes Sprache ist wie ein Atem - oft muss man Sätze zweimal lesen, denn hier und da hebt die Sprache ab um das ganz und gar Unsagbare zu umkreisen und Trost zu spenden. Mit jedem Lesen versteht man anderes und mehr.
Die Briefe sind kein Ratgeber, doch sicherlich sind sie eine Stützte, ein Gebet zum immer wieder lesen - für Schriftsteller, für Liebende, für Menschen.
"Ihr innerstes Geschehen ist ihrer ganzen Liebe wert, an ihm müssen Sie irgendwie arbeiten und nicht zu viel Zeit und zu viel Mut damit verlieren, Ihre Stellung zu den Menschen aufzuklären. Wer sagt Ihnen denn, dass Sie überhaupt eine haben?"