Als Jean-Paul Sartre im September 1939 zum Kriegsdienst eingezogen wird und Simone de Beauvoir verläßt, ist sie verzweifelt. Die einzige Möglichkeit, allein im Paris des 2. Weltkrieges weiterzuleben, ist, den Dialog zwischen Sartre und ihr nicht verstummen zu lassen, sondern ihn trotz aller widrigen Umstände aufrecht zu erhalten. Dies gelingt Beauvoir dadaurch, daß sie Sartre jeden Tag lange Briefe schreibt, in denen sie ihm bis ins kleinste Detail ihren Alltag schildert. Diese Alltagsschilderungen der genauen Beobachterin Beauvoir haben bis heute nichts von ihrem Reiz verloren. Cafèbesuche, Liebesbeziehungen (u.a. zu ihren eigenen Schülerinnen!), das Leben im Hotel - heutige Leserinnen und Leser können durch die Lektüre der Briefe an Sartre die faszinierende, fremdartige Welt des wohl berühmtesten Intellektuellen-Paares kennenlernen. Die Briefe bieten darüber hinaus noch einen Einblick in eine lang als geheim gehütete Seite Simone de Beauvoirs, und zwar ihre lebenslange Bisexualität. Der mit sorgfältigen (leider zu spärlichen) Kommentaren herausgegebene Band enthält neben Beauvoirs lebendigen Schilderungen auch einige Faksimilies ihrer Briefe. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)