Ich habe schon einiges von Mr. Barnes gelesen und war immer recht angetan von seinem Stil und seinem Humor den man als gerade klassisch britisch bezeichnen könnte. In diesem Buch sind nun Berichte seiner Zeit als Auslandskorrespondent für den New Yorker zusammengefasst. Ein Brite, der Volk und Heimatland für die Amerikaner unter die Lupe nimmt? Das klang schon mal viel versprechend, zumal auch die süddeutsche Zeitung das Buch als unglaublich witzig bezeichnete. Diesem Eindruck kann ich nicht so ganz beipflichten, wenn auch das ganze schon sehr amüsant ist, mitunter sogar saukomisch. Unter unglaublich witzig verstehe ich eher eine Aneinanderreihung von Schenkelklopfern, die einem vor Lachen die Tränen in die Augen treiben, nicht mehr und nicht weniger. Unglaublich fand ich aber zum Beispiel die Informationsflut der Geschichten, die Details und die Anzahl der genannten Personen. Ob es nun um Thatcher geht, oder Tony Blair, den Eurotunnel, die englisch-französische Hassliebe, Irrgärten, Schachduelle, die britische Politik oder die besondere Mentalität der Insulaner im Allgemeinen; kaum ein Thema wo man nicht noch etwas dazu lernen konnte. Und das waren beileibe noch nicht alle Bereiche und ich bin auch kaum der Meinung, dass alles sei sträflich vereinfacht worden.
Briefe aus London wirft eine Menge ironischer und unterhaltsamer Seitenblicke auf unsere britischen Nachbarn, und dass einer der ihren dies tut, macht das Buch umso interessanter. Einige Berichte haben jedoch durchaus ihre Längen, so dass man mitunter den humoristischen Kern nicht sofort zu erkennen vermag. Freunde der englischen Literatur und Anglophile an sich werden mit den Briefen aus London dennoch viel Spaß haben.