Zweiundfünzig Briefe sind es, die der engelgleiche Dichter Rainer Maria Rilke in den Jahren 1914 bis 1921 an seine Freundin un Mäzenatin Hertha Koenig geschickt hat. Zweiundfünzig Briefe - bisher unbekannt und jetzt von Günter Butkus, dem rührigen Verleger, im Pendragon-Verlag herausgegeben worden sind.
Für Rilke ist es eine Zeit der Schaffenskrise, man spricht auch vom "Verlust der Lebensmitte". In dieser schweren Zeit steht ihm - immer sind es die Frauen - die ostwestfälische Dichterin und Gutsbesitzerin Hertha Koenig zur Seite - materiell und ideell. Und so findet sich Rilke schließlich auf Gut Böckel, dem Landsitz der Koenigs, wieder. Sie bietet ihm Unterkunft und seelischen Beistand.
Ihre Briefe besiitzen wir leider nicht. Jetzt aber die Rilkes. Und wir erfahren von der Situation des Dichters, der nicht zuletzt auch noch an einer veritablen Schreibblockade leidet. "Alle diese Wochen lag eine solche Last des Unglücks und der Sorge über mir, ich war in solchen Niederungen meines Gemüths gerathen, dass es rein ungangbar war" - so 1918 an seine Gönnerin. Bei solcher Vertrautheit lag Freundschaft, sich langsam entwickelnd, nahe. Schließlich sollte Hertha Koenig eines der schönsten deutschen Gedichte gewidmet sein: die Fünfte der "Duineser Elegien" mit dem herrlichen Anfang "Wer aber sind sie, sag mir, die Fahrenden..".
Ein "Fahrender", ein Ruheloser war Rilke zeit seines Lebens. Bei Hertha Koenig, in gutsherrlicher Atmosphäre, zusammen mit "Saltimbanques", dem wunderbaren Gauklerbild von Picasso, fand er zumindest zeitweise Ruhe. Und er wünschte ihr auf seine Weise den Dank abzutragen, den sie verdiente: "Lebte Tolstoi noch, ich würde ihm einmal von Ihrem Leben erzählt haben, von der Frau, die an ihrem Besitz zur Freiheit gekommen ist".
Diese Briefe Rilkes sind eine notwendige, eine schöne Ergänzung jeder Rilke-Bibliothek und eine Freude für jeden Rilke-Freund.