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Produktinformation
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Brinkmann hatte mit seiner Frau und seinem behinderten Kind in einer heruntergekommenen Wohnung in einem schäbigen Kölner Viertel gelebt, immer am Existenzminimum, oft sogar ohne Strom und Telefon. Den täglichen Kampf ums Überleben schildert ein Teil der Briefe an Hartmut, einem Freund in den USA, der seine Examensarbeit über Brinkmann schrieb.
Die Briefe sind eine einzigartige Fundgrube, denn Brinkmann interpretiert dem Freund seine Gedichte, assoziiert dabei rasant, erklärt Anspielungen und bewertet die Texte aus seiner Sicht. Er beobachtet außerdem das einförmige Leben seiner Mitmenschen, den "typisch deutschen Mief", und berichtet davon mit faszinierender Intensität. Die Sprache und Befindlichkeit der westdeutschen "Ziviehlisation" seziert er mal mit Witz, mal mit Wut. Beispielsweise analysiert Brinkmann die Entführung und Freilassung des CDU-Politikers Peter Lorenz Anfang 1975 und das hilflose und blinde Wüten des Staates gegenüber dem RAF-Terrorismus.
Viele der Briefe sind nachts im Rausch geschrieben, andere morgens, unausgeschlafen und mit depressivem Blick auf Köln, das Brinkmann haßte, das ihn aber gleichzeitig inspirierte. Sein Blick ging sehnsüchtig westwärts nach Austin in die USA, wo er als Gastprofessor tätig gewesen war und auch Hartmut Schnell kennengelernt hatte. In Austin erschien Brinkmann das Leben freier, und der Himmel war nicht ständig so trüb wie in Köln.
Normalerweise sind die nachgelassenen Schriften gerade Frühverstorbener allenfalls von literaturhistorischem Wert. In diesem Fall jedoch handelt es sich um einzigartige Dokumente der deutschen Nachkriegsgeschichte. Daß die bunten 70er-Jahre gar nicht so schillernd waren, das dokumentieren die Briefe eines intensiv lebenden und exzessiv schreibenden Ausnahmelyrikers. Für den Nicht-Fachmann ist es übrigens schade, daß jene Stellen, bei denen Brinkmann sich auf Hartmuts Antwortbriefe oder auf bestimmte Textpassagen aus seinen Büchern bezieht, nicht mit Fußnoten erläutert wurden. --Matthias Kehle
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Der Dichter als Mensch,
Von
Rezension bezieht sich auf: Briefe an Hartmut: 1974 - 1975. Mit einer fiktiven Antwort von Hartmut Schnell (Taschenbuch)
Ich kam auf Umwegen zu diesem Buch. In einer Zeitungsrezension hatte ich von dem Titel gelesen und war angenehm überrascht einen Deutschen Dichter vorgestellt zu bekommen, von dem ich noch nicht mal gehört hatte. Bis ich das Buch angefangen hatte, hatte ich noch kein einziges Gedicht von Brinkman gelesen. Nach der Lektüre der Briefe bezweifle ich allerdings auch, ob ich mich dazu entschliessen kann die Werke dieses Dichters auch für mich entdecken.Ich fand das Lesen dieses Buches dennoch sehr interessant. Weniger wegen der "Gedichtsauffassung" von Brinkman, sondern vielmehr um etwas vom Leben und Alltag eines intelligenten Menschen in den 70ern in Deutschland zu erfahren. Brinkman litt sehr stark unter seinem deutschen Gefängnis. Fast jeder Brief an seiner Freund Hartmut Schnell, den er bei einem Universitätsaufenthalt in Austin, Texas kennegelernt hatte, beginnt und endet mit einem Lamento auf den deutschen Alltag und die spiessbürgerliche deutsche Gesellschaft. Immerwährende Probleme mit seinem Verlag, seine teils angespannte Situation in der Familie (nicht zuletzt wegen seiner Geldkanppheit) zeichnen ein Bild von einem Menschen, der mir mit der Zeit immer sympathischer wurde und den ich immer besser verstehen konnte. Leider gefallen mir seine Gedichte immer noch nicht,...aber vielleicht ja mal irgend wann. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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