Nun gibt es also ein neues Buch von Waris Dirie, vielleicht sogar ihr persönlichstes. Waris ist vor einem Stalker nach Wien geflohen und hofft, dort endlich eine Heimat und ihren Frieden zu finden. Da erfährt sie von ihrem Bruder, dass es ihrer Mutter sehr schlecht geht; diese leidet unter schrecklichen Bauchkrämpfen und kann zu Hause in Somalia nicht behandelt werden. Sofort setzt Waris alle Hebel in Bewegung, um die Mutter nach Wien zu den dortigen medizinischen Kapazitäten zu holen.
Waris hofft, sich in dieser Zeit mit ihrer Mutter aussprechen zu können, aber es kommt nur zu fruchtlosem Streit, denn keine kann die Welt der anderen akzeptieren. Nach der Abreise der Mutter beginnt Waris, in ein tiefes Loch fallend, mit einem Brief an ihre Mutter, der im Buch alternierend mit einer Nacherzählung der Geschichte um den Wien-Besuch der Mutter, dessen Vorgeschichte und Folgen erscheint.
Die unmögliche Verständigung zwischen der fest in der somalisch-islamischen Tradition verhafteten Mutter und der zum Teil europäisierten, wenn auch im Herzen afrikanischen Tochter ist nur ein, wenn auch das zentrale Thema dieses Buchs. Ein weiteres Thema bildet Waris Diries Kampf gegen die Verstümmelung der weiblichen Genitalien. Sucht ist ein anderer Aspekt des Buchs, Sucht, ohne die sich der Erfolg in der Glitzerwelt kaum halten lässt. Wie sonst auch, geht Waris damit sehr schonungslos und aufrichtig um, wozu viel Mut gehört. Als viertes Thema greift Waris das Problem Stalking auf, das sich offensichtlich immer weiter verbreitet, und das erst allmählich auch von der Politik ernst genommen wird.
Schriebe Waris weniger intensiv, authentisch und von echter Verzweiflung getrieben, so könnte man ihr Buch als sentimental, womöglich rührselig bezeichnen; solche Attribute passen aber nicht zu dieser Kämpferin mit Herz, Löwenmut und Verstand, die sich unverbrüchlich ihren ehrgeizigen Ziel verschrieben hat. Ihr ist viel Erfolg zu wünschen - und viele Leser für ihr Buch.