Es ist ein dünnes Buch voller Binsenweisheiten und Banalitäten. So z.B. die Erkenntnis, dass es wohl klüger ist, nicht ständig nach neuen Mails zu gucken oder dass soziale Beziehungen im Leben am wichtigsten sind.
Neben der Schilderung des Burnouts (in der Tat eine Krankheit für Gewinner, wie die Autorin die Süddeutsche zitiert, im Unterschied zu Depressionen) und des Klinikaufenthalts ist dieses Buch natürlich auch gespickt mit Wissen. Niklas Luhmann & Co. Streckenweise liest es sich so, als hätte Meckel mal eben ihre Einführungsvorlesung zum Besten gegeben. Ihre akademische Tätigkeit scheint allerdings im Wesentlichen darin zu bestehen, Mails zu schreiben, ihren Blog, ihren Eintrag bei Facebook zu aktualisieren und ansonsten durch die Gegend zu reisen, vorzugsweise im Flugzeug. Und ihr akademischer Stress scheint darin zu bestehen, dass sie "mittwochsabends darüber nachdenken [musste] [...], welche Schuhe zu dem grüngrauen Abendkleid passen könnten [...]." Die Autorin entwirft ein eindeutiges Bild von sich selbst und ist sehr bemüht, dass daran bloß nie gekratzt wird: eine Bildungsbürgerin. Sie liest viel, natürlich, sieht angeblich nie fern (dafür kennt sie allerdings erstaunlich viel), hört klassische Musik schon morgens nach dem Aufstehen. Sie ernährt sich genauso gesund, wie man es von ihr erwartet. Sie bevorzugt "guten Wein" und "guten Tee", natürlich, und würde - natürlich! - niemals Teebeutel verwenden, igitt. An entspannten Sonntagen liebt sie es, sich "etwas Leckeres zu kochen" (natürlich im Wok) - später im Text erfahren wir aber seltsamerweise, dass sie bis zu ihrer Krankheit eigentlich nie gekocht hat, nicht einmal kochen konnte, es erst gelernt hat, als sie krank wurde. Aber das Bild der Bildungsbürgerin, die auch schon vorher an Sonntagen etwas Leckeres gekocht hat, ist doch einfach zu schön (nicht nur an dieser Stelle fragte ich mich, was eigentlich mit dem Lektorat bei diesem Buch war). Dass ihre "innere Stimme" gemeinhin Über-Ich genannt wird, sollte die Autorin eigentlich wissen. Oder wollte sie an dieser Stelle nicht allzu akademisch sein, sondern dem gemeinen Volk nah? In dem es ja auch Kassenpatienten gibt, wie die Privatpatientin mit Erstaunen feststellt?
Und warum das Leben (ihr Leben) mit einem Stück Geschirrtuch vergleichbar ist, hat sich mir bis zum Schluss nicht erschlossen. "Das ist der Stoff, aus dem unser aller Leben ist", heißt die bemüht literarisch-philosophische Metapher dieses Kapitels, "eine hochexplosive Verbindung von Zeit und Raum". Aha.
Die ganzen Bilder in diesem übrigens viel zu teuren Buch stimmen nicht, auf seltsame Art kann man das Buch nicht gründlich lesen, also Satz für Satz, von Anfang bis Ende, sondern nur quer. Die Personen sind blass und blutleer. Alle Menschen in ihrem Umfeld - die anderen Patienten der Klinik (die in ihren Augen übrigens alle viel zu viel essen), die Freunde und Freundinnen, vielleicht sogar sie selbst. Hinzu kommt, dass das Ganze nicht einmal besonders gut geschrieben ist - mitreißend oder fesselnd oder ergreifend sowieso nicht. Blass und blutleer. Das Buch lebt davon, dass die Verfasserin prominent ist.